Mitarbeiter in Saudi-Arabien
Anlagenbau in Saudi-Arabien
Staudamm- & Kraftwerksbau in Nepal
Tunnelbau/-sanierung in Indien

Bau-Consulting Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Wirt.-Ing. (FH) Laurenz Görres

Cost estimations during tendering

 

Sorry, no translation available at present!

 

Wie wird nun eine "Kalkulation √ľber die Angebotsendsumme" durchgef√ľhrt?

Anmerkung zur Abbildung 1:

Ausgangspunkt der Kalkulation sind die Leistungsbeschreibung (LB) und das Leistungsverzeichnis (LV) des Bauherrn. Diese sind i. d. R. so abgefasst, dass sie prim√§r das Bauobjekt beschreiben, weil der Bauherr eine objektorientierte Sichtweise hat. Das zum Bauobjekt geh√∂rende "Drumherum" - wie z. B. die Baustelleneinrichtung (BE) - wird vom Bauherrn in den Ausschreibungsunterlagen nicht oder nur sehr knapp erfasst. Mit welchen Mitteln und in welcher Weise gebaut wird, ist f√ľr den Bauherrn i. d. R. von untergeordneter Bedeutung. Dem Bauherrn fehlen zudem die Kenntnisse, zu dem "Drumherum" konkrete Vorgaben machen zu k√∂nnen.¬† ¬†

Die Bieter haben eine projektorientierte Sichtweise. Sie blicken auf das Bauobjekt und das "Drumherum", wie z. B. die Mobilisierung, die BE, die Demobilisierung, die Gewährleistungsphase usw., was zusammen das Bauprojekt ausmacht. Diese Sichtweise ist umfangreicher als die des Bauherrn und wichtig, um das Projekt vollständig bis zum Ende der Gewährleistungsphase zu erfassen.

Das "Drumherum", das das Bauherrn-LV nicht ber√ľcksichtigt hat, erfassen die Bieter in einem gesonderten "BGK-LV". Die Bieter k√∂nnten nun das "unvollst√§ndige" Bauherrn-LV um dieses BGK-LV erweitern. Wenn allerdings jeder Bieter so verf√§hrt, w√ľrde der Bauherr eine Vielzahl an Angeboten erhalten, die untereinander nicht mehr vergleichbar w√§ren. Deswegen ist es prinzipiell untersagt, das Bauherrn-LV zu ver√§ndern. Jede Ver√§nderung des Bauherrn-LV seitens eines Bieters birgt die Gefahr, dass der Bieter aus dem Bieter-Wettbewerb ausgeschlossen wird. Die Aspekte im BGK-LV m√ľssen anders erfasst werden.
  

Darstellung Kalkulation √ľber die Angebots(end)summe

Abbildung 1: eigene Darstellung

 


 

Anmerkung zur Abbildung 2:

Um eine Kalkulation √ľberhaupt aufstellen zu k√∂nnen, sind umfangreiche Vorarbeiten notwendig. Nachdem die Leistungsbeschreibung und das Leistungsverzeichnis des Bauherrn analysiert wurden, muss ein Bauverfahren und ein Bauablauf ermittelt, ein Ger√§te- und Personalkonzept aufgestellt, Leistungs- und Aufwandswerte festgelegt, die Haupt- und Hilfsmassen festgestellt und ein detaillierter Terminplan konzipiert werden. Wenn diese Vorarbeiten durch die Arbeitsvorbereitung erbracht wurden und der Einkauf zudem die Kostenans√§tze f√ľr die wesentlichen Baustoffe (Hauptbaustoffe und evtl. auch wichtigsten Hilfsbaustoffe) und Nachunternehmer eruiert hat, kann der Kalkulator mit seiner Arbeit beginnen.

Der Kalkulator wird zun√§chst eine Kostenstruktur (Ausf√ľhrungsverzeichnis) aufstellen und anschlie√üend die Einzelkosten der Teilleistungen (EKT) und die Baustellengemeinkosten (BGK) berechnen. Die Ermittlung dieser beiden Kostenbestandteile bzw. der sich daraus ableitenden Herstellkosten (HK) stellt die Hauptt√§tigkeit des Kalkulators dar. Die Kostenermittlung sollte auf der Basis eines "optimistisch, realistischen Ansatzes" erfolgen: D. h., die Baudurchf√ľhrung muss technisch, baubetrieblich und organisatorisch mit den zur Verf√ľgung stehenden Ressourcen machbar sein und noch ausreichende Reserven enthalten, um "gew√∂hnliche St√∂rungen" des Baubetriebs auffangen zu k√∂nnen.¬†

Nach der Ermittlung der Herstellkosten werden die AGK √ľber festgelegte Zuschlagss√§tze und der WuG-Bestandteil √ľber einen projektspezifischen Ansatz hinzugerechnet. Die sich daraus ergebende Angebots(end)summe stellt das Ergebnis des 1. Kalkulationslaufes dar. In einem 2. Kalkulationslauf werden die Einheitpreise - die bei einem Einheitspreisvertrag im Gegensatz¬† zur Angebotssumme Vertragsbestandteil sind - zu den LV-Positionen bestimmt. Dazu wird eine Kalkulation √ľber die (zuvor ermittelte) Angebots(end)summe durchgef√ľhrt, bei der die Umlage(kosten) auf die Teilleistungen (LV-Positionen) verteilt werden. ¬† ¬† ¬†
     

Darstellung Kalkulation √ľber die Angebots(end)summe

Abbildung 2: eigene Darstellung

 


 

Anmerkung zur Abbildung 3:

Die Abbildung 3 zeigt den generellen Aufbau bzw. die Kostenbestandteile einer Angebotskalkulation. Die Umlage setzt sich zusammen aus all jenen Aspekten, die sich nicht in den EKT haben erfassen lassen bzw. die sich nicht den LV-Positionen direkt oder mit vertretbaren Arbeitsaufwand haben zuordnen lassen. Zur Umlage geh√∂ren die BGK, die AGK und WuG. Mittels eines festgelegten Umlage-Schl√ľssels wird die Umlage auf die EKT verteilt. Die so beaufschlagten EKT liefern die gesuchten Einheitpreise.
     
Darstellung Kalkulation √ľber die Angebots(end)summe

Abbildung 3: eigene Darstellung

 


 

Anmerkung zur Abbildung 4: 

Die Abbildung 4 verdeutlicht das Vorgehen, wie die Umlagekosten auf die EKT bzw. LV-Positionen verteilt werden. Die Verteilung der Umlagekosten erfolgt nicht wahllos sondern gezielt auf die Kostenarten, die f√ľr jede LV-Position bestimmt wurden. Die verwendeten Kostenarten werden dabei firmenintern festgelegt.

Anmerkung zu den (kalkulatorischen) Kostenarten: Es sollten mindestens die folgenden Kostenarten in der Kalkulation ber√ľcksichtigt werden: a) Lohn, b) Ger√§t, c) SoKo (Sonstige Kosten) und d) NU (Nachunternehmer). In der Praxis kann es allerdings durchaus auch vorkommen, das 20 und mehr Kostenarten in der Kalkulation vorliegen und ber√ľcksichtigt werden m√ľssen. Dies h√§ngt davon ab, wie spezifisch in einer Firma die Kosten erfasst und ausgewertet werden. Die Verwendung zu vieler Kostenarten ist allerdings nicht ratsam, da es die Kalkulation erheblich erschwert und in der Bauausf√ľhrung den Vergleich mit den kaufm√§nnischen Kostenarten verkomplizieren oder gar unm√∂glich machen kann.¬† ¬†
 

Darstellung Kalkulation √ľber die Angebots(end)summe

Abbildung 4: eigene Darstellung

 


 

Anmerkung zur Abbildung 5: 

Der Umlage-Schl√ľssel gibt an, wie die Umlagekosten (BGK + AGK + WuG) auf die Kostenarten der EKT-Positionen verteilt werden. Er legt fest, dass jede Kostenarten (au√üer der Kostenart "Lohn") mit einem spezifischen Zuschlagssatz beaufschlagt wird. Wenn beispielsweise die Kostenart "Ger√§t" mit 35% beaufschlagt wird, bedeutet dies, dass in jeder LV-Position, in der die Kostenart "Ger√§t" vorkommt, sich diese um 35% auf dann 135% erh√∂ht. Die Erh√∂hung der Kostenart "Ger√§t" f√ľhrt dazu, dass sich die Gesamtumlage um genau diesen Erh√∂hungsbetrag minimiert. Dies erfolgt √ľber alle Kostenarten au√üer der Kostenart "Lohn". Der Grund f√ľr dieses Vorgehen liegt darin, dass es eine Kostenart geben muss, die nach der Beaufschlagung aller anderen Kostenarten die verbliebene Restumlage aufnehmen muss. Die Restumlage wird i. d. R. auf die Kostenart "Lohn" verteilt, woraus sich dann der Zuschlagssatz f√ľr die Kostenart "Lohn" ergibt (z = Restumlage/Lohnkosten in [%]). Es ist allerdings auch m√∂glich, hierf√ľr eine andere Kostenart zu w√§hlen.

Achtung: Der Zuschlagssatz bedeutet hingegen nicht, dass 35% der Umlagekosten auf die Kostenart "Ger√§t" verteilt wird. In diesem Fall m√ľssten alle Zuschlagss√§tze zusammen 100% ergeben, was nicht der Fall ist (siehe Abbildung 5).
 

Darstellung Kalkulation √ľber die Angebots(end)summe

Abbildung 5: eigene Darstellung

 


 

Anmerkung zur Abbildung 6:

Die Abbildung 6 verdeutlicht noch einmal das Vorgehen bei der Verteilung der Umlage auf die Kostenarten jeder EKT-Position (LV-Position). Am Ende des 1. Kalkulationslaufes steht die Angebotssumme und die Höhe der Umlage fest. Es ist zudem bekannt, aus welchen Kostenarten sich jede LV-Position zusammensetzt. Die Einheitspreise sind allerdings noch unbekannt.

Durch den Umlage-Schl√ľssel erfolgt im 2. Kalkulationslauf die Verteilung der Umlage, so dass die Umlage zu null wird. Die Umlage findet sich nun in den LV-Positionen wieder. Die "H√∂he" einer LV-Position entspricht dabei dem Gesamtpreis (GP) dieser Position. Der gesuchte Einheitspreis einer LV-Position ergibt sich, in dem der Gesamtpreis dieser LV-Position durch seine LV-Menge dividiert wird.¬†¬†

Achtung: Die Angebotssumme nach dem 1. Kalkulationslauf muss identisch mit der ő£ (Gesamtpreise der LV-Positionen) bzw. ő£ (Einheitspreise x LV-Mengen) nach dem 2. Kalkulationslauf sein. Bildlich gesprochen bedeutet dies: Die Fl√§che der Umh√ľllenden des 1. Kalkulationslaufes (gelbe Linie) muss identisch sein mit der Fl√§che der Umh√ľllenden des 2. Kalkulationslaufes (ebenfalls gelbe Linie). Wenn dies nicht der der Fall sein sollte, ist die Berechnung fehlerhaft verlaufen. Die Umlage ver√§ndert nicht die Angebotssumme, sondern nimmt nur Einfluss auf die Gestaltung der H√∂he der Einheitspreise.
 
Darstellung Kalkulation √ľber die Angebots(end)summe

Abbildung 6: eigene Darstellung

 


 

Anmerkung zur Abbildung 7:

Wie sich der Umlage-Schl√ľssel auf die Gestaltung der Gesamtpreise (GP) und damit auf die Einheitspreise (EP) der LV-Positionen auswirkt, verdeutlicht die Abbildung 7. In der Praxis ist es √ľblich, die Lohnkosten hoch zu beaufschlagen, weil Bauarbeiten lohnintensive Arbeiten sind. Die NU-Kosten sind eher niedrig zu beaufschlagen, da es sich um Arbeiten handelt, die nicht im eigenen Betrieb (d. h. mit eigenem Personal und Ger√§t) verrichtet werden. Sie sollten allerdings auch deswegen niedriger beaufschlagt werden, weil sie sich durch den Bauherrn leicht verifizieren lassen, was auf die Lohnkosten nicht zutrifft. Zur Untermauerung der Seriosit√§t des eigenen Angebotes gilt es, durch den Bauherrn √ľberpr√ľfbare Kostenbestandteile - wie z. B. Materialpreise und NU-Preise - eher niedrig zu beaufschlagen. Jeder Bauherr wird es "suspekt" finden, wenn im Angebot der Preis f√ľr die Betonlieferung erheblich √ľber dem Betonpreis des n√§chsten Betonwerkes liegt, es sei denn, dass in diesem Preis noch andere Leistungsbestandteile enthalten sind.¬†
¬† ¬† ¬† Darstellung Kalkulation √ľber die Angebots(end)summe

Abbildung 7: eigene Darstellung

 


 

Anmerkung zur Abbildung 8:

Es soll nicht unerw√§hnt bleiben, dass es in der Praxis noch andere Umlagem√∂glichkeiten gibt. Eine beliebte aber auch sehr gef√§hrliche Art der Umlage ist die gezielte Verteilung der Umlage auf nur wenige Positionen des Leistungsverzeichnisses. In einem solchen Fall wird auch von einer "frivolen" Kalkulation gesprochen. Dies erfolgt immer dann, wenn der Bieter der Ansicht ist, dass im LV des Bauherrn ein Mengenfehler in Form einer Mindermenge vorliegt. Der Gedanke des Bieters ist dabei wie folgt: Wenn die ausgeschriebene Menge im Leistungsverzeichnis z. B. nur 50% der voraussichtlichen Abrechnungsmenge betr√§gt, l√§sst sich die auf diese Position verteilte Umlage in der Abrechnung verdoppeln, ohne das dies im Angebotspreis ersichtlich ist. Bieter nutzen solche Positionen auch, um ihren Angebotspreis nach unten zu dr√ľcken. Sie verschaffen sich auf diese Weise einen Wettbewerbsvorteil gegen√ľber der Konkurrenz. Ein solches Vorgehen kann allerdings dazu f√ľhren, dass die Abrechnungssumme erheblich niedriger und unterhalb der Selbstkosten ausf√§llt, wenn gerade diese Positionen in der Bauausf√ľhrung nicht die ausgeschriebenen Mengen erreichen.

Die Preisgestaltung auf diese Art ist sehr spekulativ und risikoreich und sollte unterlassen werden. Sie f√ľhrt zu einer Verzerrung des Einheitspreisgef√ľges innerhalb eines Angebotes aber auch zwischen den Angeboten verschiedener Bieter. Die von den Bauherrn h√§ufig aufgestellten Preisspiegel zum positionsweisen Vergleich der Bieterpreise sind aus diesem Grund immer skeptisch zu hinterfragen, weil die Aussagekraft solcher Preisspiegel stets begrenzt ist, wenn der Bauherr nicht wei√ü, wie die Bieter kalkuliert haben (gleiches gilt f√ľr die Preisspiegel der Bauunternehmer bei NU-Anfragen). ¬†
  
Darstellung Kalkulation √ľber die Angebots(end)summe

Abbildung 8: eigene Darstellung

 


 

Anmerkung zur Abbildung 9:

Die nachfolgende Abbildung zeigt die wesentlichen Schritte des Ablaufs der Kalkulation √ľber die Angebotsendsumme noch einmal auf.

Darstellung Kalkulation √ľber die Angebots(end)summe

Abbildung 9: eigene Darstellung

 


 

Literaturquellen

  • Reichsverband industrieller Bauunternehmungen e.V. (1929); Selbstkostenermittlung f√ľr Bauleistungen
  • Opitz (1940); Selbstkostenermittlung f√ľr Bauleistungen, Teil 1, Anleitung f√ľr den Aufbau der Preisermittlung
  • Opitz (1941); Selbstkostenermittlung f√ľr Bauleistungen, Teil 2, Die praktische Durchf√ľhrung der Preisermittlung
  • Wanninger (2006); Die ordnungsgem√§√üe Kalkulation - ein unbestimmter baubetrieblicher Begriff

 


Date of last edit webpage: August 2018

back to top