Mitarbeiter in Saudi-Arabien
Anlagenbau in Saudi-Arabien
Staudamm- & Kraftwerksbau in Nepal
Tunnelbau/-sanierung in Indien

Bau-Consulting Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Wirt.-Ing. (FH) Laurenz Görres

Working in countries with potential of danger

 

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Der "traditionellen" Auslandsbau findet √ľberwiegend in Entwicklungs- und Schwellenl√§ndern statt. Es ist dabei zu beachten, dass diese L√§nder ganz unterschiedliche staatliche, politische, wirtschaftliche, rechtliche, gesellschaftliche, kulturelle und religi√∂se Strukturen aufweisen. Diese Unterschiede bergen zus√§tzliche Gefahren, die sich nicht nur auf das Projekt auswirken k√∂nnen, sondern direkt auf jeden Bau-Beteiligten.

Diese Gefahren gilt es in der Angebots- wie auch kontinuierlich in der Ausf√ľhrungsphase zu erkennen, richtig zu bewerten und entsprechende Ma√ünahmen zur Gefahrenabwehr zu planen und umzusetzen. Dies gilt insbesondere f√ľr die Einsch√§tzung der "Sicherheitslage vor Ort", die einen wesentlichen Einfluss auf die Abwicklung eines Bau-Projektes habe kann.

Unter der "Sicherheit im Auslandsbau" werden die zus√§tzlichen pers√∂nlichen, baulichen und organisatorischen Sicherheitsma√ünahmen der Baustelle zur Abwehr gegen Gefahren von au√üen verstanden. Die dabei zu ber√ľcksichtigenden Gefahren sind jene, die bewusst und mit Vorsatz durch Dritte hervorgerufen werden k√∂nnen, um das Bauobjekt, die Baustelleninfrastruktur, die Baubeteiligten und/oder das Bau-Projekt aus unterschiedlichsten Gr√ľnden zu sch√§digen oder zu verhindern.

Seitens des (lokalen) Auftraggebers wird dieser Aspekt h√§ufig bereits in der Ausschreibung vernachl√§ssigt, was sich teilweise durch die unterschiedlichen Sichtweisen begr√ľnden l√§sst. Der (lokale) Auftraggeber lebt mit den √∂rtlichen Gefahren, empfindet sie anders und sch√§tzt sie deshalb g√§nzlich anders ein als ein Auftragnehmer, der aus einem anderen Land kommt und dem die √∂rtlichen Umst√§nde fremd sind. Ferner m√∂chte der (lokale) Auftraggeber den Angebotspreis niedrig halten und wird notwendige Ma√ünahmen nicht explizit oder im erforderlichem Ma√üe ausschreiben. Der Auftragnehmer dagegen muss seiner Sorgfaltspflicht nachkommen und alles erdenklich M√∂gliche tun, um sein Personal, sich selber, seine Investments und das Projekt zu sch√ľtzen. Seitens des Auftragnehmers sind somit die erforderlichen Ma√ünahmen zur Sicherung des Projektes auf keinen Fall zu vernachl√§ssigen.

An dieser Stelle steht der Auftragnehmer aber vor einem Problem, da die Informationen zur Gef√§hrdungsabsch√§tzung und Planung von Ma√ünahmen zur Gefahrensabwehr eher schwierig zu ermitteln sind, da dieses Thema nicht Bestandteil des Baubetriebes und in der Regel auch nicht des Alltagsgesch√§ftes ist. Es aber deswegen unber√ľcksichtigt zu lassen, um sich sp√§ter darauf zu berufen, dass erforderliche Ma√ünahmen nicht ausgeschrieben waren oder bestimmte Zust√§nde nicht vorhersehbar waren, ist wenig zielf√ľhrend, weder gegen√ľber dem Auftraggeber noch gegen√ľber dem eigenen Personal. Sich bei diesem Thema g√§nzlich auf Spezialisten bzw. Nachunternehmer zu verlassen, ist ebenso wenig sinnvoll, da es sich hierbei um sehr spezielle und teure Dienstleistungen handelt, die aus Kostengr√ľnden spezifisch zu beauftragen sind.

Der Unternehmer sollte versuchen, sich zun√§chst ein eigenes Bild √ľber die Gef√§hrdungs-Situation und erforderliche Gegenma√ünahmen zu machen, bevor er einen Spezialisten um Rat fragt! Den Rat eines Spezialisten gilt es bei Projekten in bekannten Krisenl√§ndern allerdings auf jeden Fall einzuholen! Hilfe und Rat l√§sst sich auch von deutschen Beh√∂rden erhalten (Kontakt siehe weiter unten)!

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Mögliche Bedrohungen im Auslandsbau

 

Bei Bedrohungen im Auslandsbau handelt sich dabei um atypische Gefährdungen, die nicht in der Bautätigkeit an sich stecken und somit auch nicht baubetrieblicher Natur sind, sondern die durch die Projekt-Umgebung bedingt sind. Diese Bedrohungen treten insbesondere in Ländern auf, die mangelhafte rechtsstaatliche Strukturen aufweisen. Zu diesen Bedrohungen zählen:

Darstellung Bedrohungen im Auslandsbau

Quelle: eigene Darstellung

 

Erläuterung der Bedrohungen im Auslandsbau 

Bedrohungen, die von außen auf die Baustelle bzw. das Projekt einwirken können:

  • Anschlag
    Gewalttat, die primär gegen eine Sache gerichtet ist. Personen können aber auch betroffen sein.
  • Attentat
    Gewalttat, die primar gegen Personen gerichtet ist.
  • Politische Unruhe
    Darunter werden Aktionen verstanden, die sich gegen die öffentliche Ordnung und Sicherheit richten. Sie werden als Aufruhre, Krawalle, Revolten und Aufstände bezeichnet. Bei diesen Aktionen ist die Baustelle und somit das Projekt z. B. durch die Blockade der Transportwege, Ausgangssperren etc. ebenfalls betroffen.
  • Terrorismus
    Unter Terrorismus werden Gewalttaten unterschiedlichster Form verstanden, die durch politische Gruppen, religi√∂se Fundamentalisten oder militante Gruppierungen ausge√ľbt werden und sich gegen Regierungen, Organisationen oder Unternehmen richten. Ziel der Terroristen ist das Durchsetzen bestimmter Forderungen, indem z. B. durch Anschl√§ge und Attentate Verunsicherungen und √Ąngste in der Bev√∂lkerung gesch√ľrt werden.
  • Krieg
    Unter Krieg wird ein offener, bewaffneter Konflikt zwischen zwei oder mehreren Konfliktparteien verstanden. Er stellt die höchste Eskalationsstufe aller Gefahren dar.

Die Baustelle ist durch diese Bedrohungen direkt oder indirekt betroffen.

 

Bedrohungen, die von innen heraus auf die Baustelle bzw. das Projekt einwirken können:

  • Diebstahl
    Unter Diebstahl wird die Entwendung von Baumaterialien, Bauhilfsstoffen, Werkzeugen, Kleinteilen, Ger√§ten, Treib- und Schmierstoffen aber auch B√ľroausstattung (IT-Material) oder erwertbarem Schrott verstanden. Kleinere Diebst√§hle lassen sich i. d. R. nicht mit vertretbarem Aufwand vermeiden und m√ľssen im Angebot als "Schwund" einkalkuliert werden.
  • Sabotage
    Unter Sabotage wird eine gezielte Beeinträchtigung von Produktionsabläufen verstanden. Dazu werden bevorzugt Geräte, Fahrzeuge oder Bauobjekte beschädigt oder zerstört.
  • Spionage
    Spionage bezeichnet das Aushorchen und Stehlen von firmeninternem Wissen, insbesondere von technischen Neuerungen und Erfindungen. Dazu bedienen sich Dritte (Konkurrenz) der Wirtschaftsspionage, Wirtschaftskriminalität und Internetkriminalität, um vorhandenen Wettbewerbsvorteile zu eliminieren. Meist geschieht dies, indem IT-Material gestohlen wird.

Die Baustelle ist durch diese Bedrohungen direkt betroffen.

 

Sonstige Bedrohungen, die die Baustelle bzw. das Projekt beeinflussen können:

  • Korruption
    orruption tritt in unterschiedlichsten Erscheinungsformen auf, wie z. B. Unterschlagung, Bestechung, Vorteilsnahme, Vorteilsgew√§hrung, Patronage und √Ąmterkauf. Es handelt sich um den Missbrauch √∂ffentlich oder privatwirtschaftlich anvertrauter Macht- oder Einflussstellungen zu privatem Nutzen. Korruption kann neben dem finanziellen Schaden zu einer erheblichen Rufsch√§digung f√ľhren.
  • Streik
    Unter einem Streik wird die zeitweilige Arbeitsverweigerung verstanden, um einem Protest Ausdruck zu geben und/oder Forderungen durchzusetzen. Der Streik kann innerhalb der Baustelle stattfinden (Streik des Personals) und das Projekt direkt betreffen, wie auch außerhalb der Baustelle (Streik einer beliebigen Gruppierung) und somit indirekt auf das Projekt wirken. Häufig kommt es dazu, dass die Baustelle in dieser Zeit still steht.
  • Erpressung
    Die Erpressung zielt darauf ab, dass der Erpresste dazu veranlasst wird, eine bestimmte Handlung vorzunehmen oder zu unterlassen. Der m√∂glich T√§terkreis reicht von Einzelpersonen bis hin zu einer terroristischen Gruppierung. Genauso vielf√§ltig sind die Beweggr√ľnde f√ľr eine Erpressung.
  • Entf√ľhrung
    Eine Entf√ľhrung ist eine gegen die Freiheit einer oder mehrerer Personen gerichtete Tat. Sie wird auch als erpresserischer Menschenraub, Kidnapping oder Geiselnahme bezeichnet und dient vornehmlich zur Geldbeschaffung, indem der Entf√ľhrte durch eine L√∂segeldforderung freigekauft wird. Es gibt aber auch andere Gr√ľnde - politsche, ideologische, religi√∂se - f√ľr eine Entf√ľhrung. Entf√ľhrungen sind auf Unternehmensebene eine ernst zu nehmende Gefahr.
  • Freiheitsberaubung
    Die Freiheitsberaubung umschreibt den Tatbestand, bei dem einer Person gegen ihren Willen die pers√∂nlichen Freiheit entzogen wird bzw. bei der die Person widerrechtlich eingesperrt wird. Von Freiheitsberaubung wird gesprochen, wenn dieser Tatbestand f√ľr mindestens 24 Stunden besteht. Eine Freiheitsberaubung kann in Staaten mit unzureichenden rechtsstaatlichen Verh√§ltnissen eine ernstzunehmende Gefahr darstellen.
  • Bedrohung der Handelswege bzw. Piraterie
    Baustellen im "traditionellem" Auslandsbau kennzeichnen sich dadurch aus, dass gro√üe Teile der Baustoffe, Bauhilfsstoffe, Ger√§te usw. ins Gastland importiert werden m√ľssen, da diese vor Ort weder in der erforderlichen Menge, noch in der notwendigen Qualit√§t vorhanden sind. Diese Transporte finden auf dem Seeweg statt und unterliegen somit der Gefahr der Piraterie, bei der eine gewaltsame √úbernahme des Kommandos eines Schiffes stattfindet, um dieses auszurauben und oder den Eigent√ľmer zu erpressen. Dadurch k√∂nnen sich Lieferungen verz√∂gern oder g√§nzlich verloren gehen, was sich indirekt auf das Bau-Projekt auswirkt.

Die Baustelle ist durch diese Bedrohungen direkt oder indirekt betroffen.

 

In welchem Ma√üe diese Bedrohungen in einem bestimmten Projekt-Land bzw. Gastland auftreten k√∂nnen, ist bereits in der Angebotsphase abzusch√§tzen und in der Ausf√ľhrungsphase kontinuierlich zu √ľberwachen. Kann ein Projekt- bzw. Gastland die:

  • Sicherheit,
  • Versorgung und
  • Rechtsstaatlichkeit

nicht gew√§hrleisten (3 Kriterien f√ľr "Failed States"), ist mit vermehrten Bedrohungsszenarien in der Projektabwicklung zu rechnen. Anhaltspunkte hierzu liefern diverse Informationsplattformen, wie zum Beispiel die j√§hrlich neu erscheinende Liste der "Failed States" aber auch "Risk-Maps" unterschiedlicher Anbieter (siehe auch Links zum Auslandsbau).

 


 

Literaturquellen

  • Egem (2011); Sicherheit im Auslandsbau; Bachelorarbeit; UniBwM

 


Date of last edit webpage: August 2018

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