Mitarbeiter in Saudi-Arabien
Anlagenbau in Saudi-Arabien
Staudamm- & Kraftwerksbau in Nepal
Tunnelbau/-sanierung in Indien

Bau-Consulting Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Wirt.-Ing. (FH) Laurenz Görres

Kaufmännische Besonderheiten im Auslandsbau

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Finanzwirtschaftliche Risiken im Auslandsbau

 

Die kaufmännische Abteilung beschäftigt sich mit finanzwirtschaftlichen Aspekten in einem Unternehmen. Es geht dabei um die Planung, Durchführung und Kontrolle aller betrieblichen Ein- und Auszahlungen. Auf Projektebene bedeutet dies, dass die kaufmännische Abteilung die Aufgaben

  • Projekt-Finanzierung,
  • Projekt-Investitionen und
  • Projekt-Zahlungsverkehr

übernimmt und kontrolliert.

Bei der Projekt-Finanzierung im "traditionellen" Auslandsbau geht es um eine Exportfinanzierung. Ziel dabei ist es, (Fremd-)Kapital zur Abwicklung des Ausfuhrgeschäftes, in diesem Fall der Export-Bauleistung, zu beschaffen.

Die Projekt-Investitionen im Auslandsbau beziehen sich hauptsächlich auf Sachinvestitionen, die für die Erstellung der Bauleistung erforderlich sind. Dazu gehören z. B. projektbezogene Investitionen in Geräte, Materialien, Baustelleneinrichtung u. a.

Der Projekt-Zahlungsverkehr im Außenhandel regelt die Zahlungen von Geschäftspartnern, die aus unterschiedlichen Währungsgebieten kommen. Aufgrund der großen räumlichen Entfernung, der unterschiedlichen Rahmenbedingungen (Rechts-/Wirtschaftsordnungen, Gesetze, Verordnungen, Handelssitten usw.), der zeitlichen Ausdehnung (über Monate oder Jahre), der hohen Zahlungssummen in unterschiedlichen Währungen und der Komplexität eines Bau-Projektes sollten die Zahlungsbedingungen sehr präzise und verständlich festgeschrieben werden. Der Zahlungsverkehr sollte den Zahlungsweg, die Zahlungsart und die Zahlungssicherungen regeln.

Die finanzwirtschaftlichen Risiken im Auslandsbau umfassen deshalb alle Risiken, die in Verbindung stehen mit:

  • der Finanzierung,
  • den Investitionen und
  • dem Zahlungsverkehr

eines Bau-Projektes im Ausland. Diese Risiken können auch unter dem Begriff "Außenhandelsrisiken" zusammengefasst werden.

 

Die folgenden Außenhandelsrisiken ergeben sich für den Auftragnehmer:

  • Bürgschaftsrisiko

    Der Auftragnehmer hat mit Vertragsschluss seine vertragliche Leistungspflicht gegenüber dem Auftraggeber abzusichern. Dafür sind von ihm diverse Bürgschaften zu dessen Gunsten zu stellen (siehe später). Es ist dabei zu beachten, dass für ihn selber diese Bürgschaften Risiken enthalten können, etwa für den Fall, dass der Auftraggeber diese widerrechtlich in Anspruch nimmt ("widerrechtliches Ziehen einer Bürgschaft" / "unfair calling of bonds"), ohne dass der Auftragnehmer dies zunächst verhindern kann. In diesem Fall würde sich der AG vertragswidrig oder sogar betrügerisch verhalten und theoretisch könnte der AN dem zwar später zumindest im Rechtswege entgegentreten. Jedoch sind die Dauer, der Erfolg und vor allem der Wirkungseintritt solcher Rechtsbehelfe bei einem internationalen Rechtsstreit unbekannt oder kaum abschätzbar.

  • Investitionsrisiko

    Um vor Ort produktiv zu sein, hat der AN für die Leistungserbringung dort eine Baustelleninfrastruktur zu schaffen und die Baustelle mit Produktionsmitteln auszustatten. Dafür hat er Investitionen zu tätigen in Materialien, Geräte, Anlagen, Ersatzteile, Büros, Camp, Bauplatz, sonstige Baustelleneinrichtung (BE) und Nachunternehmer. Die Kosten dieser Investitionen fallen zum Baubeginn an (Mobilisierungsphase). Die Vergütung dieser Investitionen erfolgt dagegen zu einem späteren Zeitpunkt bzw. über die Gesamtbauzeit verteilt. Auch wird nur jener Teil der Investitionen vollständig vergütet, der nicht über Teil-Abschreibungen verrechnet wird. Der Auftragnehmer tritt also in große finanzielle Vorleistungen und bringt einen Teil seines Anlagevermögens auf die Baustelle (z. B. Geräte und Anlagen soweit sie zurücktransportiert werden sollen).

  • Lieferrisiko / Embargorisiko

    Mit Vertragsabschluss wird der Auftragnehmer Teillieferungen für das Bauobjekt bei Nachunternehmern beauftragen (z. B. Turbinen, Deckenkran, sonstige Bauobjektsausstattungen). Hierfür muss er finanziell in Vorleistung treten. Diese Teillieferungen könnten infolge unterschiedlicher Umstände vor der Auslieferung bzw. vor dem Gefahrübergang auf den AG verloren gehen oder zerstört werden (Transportschaden, Verzollungsproblematik, Beschlagnahmung oder Zerstörung durch Dritte usw.). Ferner könnten sie aufgrund eines nicht vorhersehbaren Embargos oder einer Blockade des Projektlandes unmöglich werden (Unmöglichkeit der Vertragserfüllung mit Verlust der Vergütungsansprüchen).

  • Forderungs- / Zahlungseingangsrisiko

    Der Auftraggeber könnte aus unterschiedlichen Gründen oder auch grundlos die Abschlagszahlungen verweigern oder verzögern (aufgrund von Liquiditätsprobleme, Zahlungsunwilligkeit, Insolvenz, betrügerischen Absichten usw.). Ferner könnten aus politischen Gründen innerhalb des Projektlandes (Aufruhr, Revolution, Staatsbankrott, Krieg usw.) eine Zahlung des AG unmöglich werden und zu einem Forderungsausfall führen.

  • Abnahmerisiko

    Der Auftraggeber könnte die Abnahme des Bauobjektes aus unterschiedlichen Gründen oder auch grundlos verweigern oder auf unbestimmte Zeit verzögern und somit die Auszahlung der Schlußrechnung und den Beginn des Gewährleistungsanspruches unterbinden.

  • Konvertierungs- und Transferrisiko

    Im Laufe eines längerfristigen Bauprojektes kann der zwischenstaatliche Zahlungsverkehr im Gastland Beschränkungen erfahren, so dass eine vom Auftraggeber in Landeswährung erbrachte Vergütung nicht in eine Fremdwährung (Euro) konvertiert und das Geld nicht an den Auftragnehmer transferriert werden kann. Dies ist insbesondere in Ländern mit einer Zwangsdevisenbewirtschaftung zu berücksichtigen.

  • Wechselkursrisiko

    Das Wechselkursrisiko stellt insbesondere bei stark schwankenden Wechselkursen (bei weichen Währungen) eine Gefahr dar und macht im Außenhandel ein Handelsgeschäft schwer kalkulierbar. Bedingt durch den Zeitversatz zwischen Vertragsschluss, Lieferung der Leistung und Zahlungseingang kann sich der Wechselkurs erheblich ändern und zu unberechenbaren Gewinnen oder Verlusten führen.

  • Moratoriumsrisiko

    Ein Moratorium stellt einen Zahlungsaufschub bzw. ein zeitlich befristetes Verbot der Ausfuhr von Devisen dar. Aufgrund eines staatlichen Erlasses dürfen dann vertraglich geschuldete Zahlungen in Fremdwährungen nicht geleistet bzw. ausgeführt werden.

  • Risiko aus Unruhen, Revolution und Krieg

    Krieg, Revolution, Unruhen usw. im Gastland führen dazu, dass die Grundlage für die Leistungserbringung (stabile innerstaatliche Zustände; gesicherte Grundversorgung; Sicherheit für Leib und Leben usw.) verloren geht und somit das Bauobjekt nicht fertiggestellt und vom Bauherrn nicht abgenommen werden kann. Die Gefahrtragung für das Bauobjekt verbleibt beim Auftragnehmer. Infolge des Krieges oder der Unruhen kann die bisher erbrachte Bauleistung darüber hinaus zerstört werden. Dieses Risiko wird auch als "allgemeiner politischer Schadensfall" bezeichnet.

Weitere Risiken sind:

  • Insolvenzrisiko des AG

  • Liquidationsrisiko des AG

  • Betrugsrisiko durch den AG

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Bonds, Guarantees und Avale im Auslandsbau

 

Bei Geschäften bzw. Vertragsbeziehungen, die keinen zeitgleichen Austausch von Leistung und Vergütung vorsehen, sollte die Einhaltung der vertraglichen Verpflichtungen der Vertragspartner gegenseitig abgesichert werden. Dies gilt insbesondere für Bauverträge, bei denen es sich um Langzeitverträge für komplexe Projekte handelt, welche bei Vertragsschluss häufig nicht zu Ende geplant sind und die somit besondere Risiken aufweisen und anfällig für Vertragsverletzungen sind.

Bei solchen Projekten gilt, dass:

  • eine Vertragpartei immer in Vorleistung gehen wird und auf die Erfüllung der damit verbundenen Forderungen durch die andere Vertragspartei wird warten müssen.
  • beide Vertragsparteien für längere Zeit aneinander gebunden sind, ihren vertraglichen Verpflichtungen nachzukommen und diese vollumfänglich zu erfüllen.

Daraus ergeben sich zwei Erwartungen, die auf gegenseitigem Vertrauen der Vertragspartner basieren:

  1. Vergütung bzw. Kompensation von erbrachten Vorleistungen und
  2. Vertragserfüllung bis zum Vertragsende.

Zur Absicherung der Vertragspartner vor einem Missbrauch des Vertrauens und einer mangelhaften Vertragserfüllung eignen sich im Aussenhandel Bonds (resp. Bürgschaften) und insbesondere Garantien.

 


 

Guarantees resp. Warranties

Um die Abwicklung von Geschäften abzusichern, werden im internationalen Handels- und Wirtschaftsverkehr hauptsächlich Guarantees bzw. Warranties an Stelle von Bürgschaften (Bonds) vereinbart. Solche "Guarantees" bzw. "Warranties" ähneln in Deutschland den "Garantien". Solchen Garantien liegen i. d. R. Vertragsbeziehungen unter drei Parteien wie bei Bürgschaften zugrunde. Es wird auch von einer "Garantie durch einen Dritten" gesprochen. Dabei gibt es den Garanten (meist eine Bank mit unbestrittener Bonität oder eine Versicherungsgesellschaft), den Begünstigten (Gläubiger) und den Auftraggeber der Garantie (Hauptschuldner).

Die Garantie (die im deutschen Gesetz im Gegensatz zur Bürgschaft keine speziell auf sie abgestimmte Regelung erfährt) ist ebenfalls ein einseitig verpflichtender Schuldvertrag mit einem - im Gegensatz zur Bürgschaftserklärung - formfreien Versprechen des Garanten, dem Begünstigten für den Eintritt eines bestimmten Erfolges einzustehen. Als Gegenstand dieses Versprechens kommt in Betracht die Erfüllung von Leistungs- und Zahlungsverpflichtung eines Dritten, die dieser in einem anderen Vertrag (hier etwa dem Werkvertrag zwischen AG und AN) übernommen hat.

Eine Garantie funktioniert wie folgt:

1) Bauvertrag sieht als Lieferungs- und Leistungssicherheit (oder Erfüllungssicherheit) die Gestellung einer Garantie Zugunsten des AG vor.

2) AN beauftragt eine Bank mit hoher Bonität (muss vom AG akzeptiert werden!) eine Bank-Garantie für den AG auszustellen. Bank prüft Solvenz des AN und stellt Bank-Garantie für den AG (Begünstigten) aus. Der Garantievertrag regelt zwar den Garantiefall, aber eigentlich ist dieser vom Grundgeschäft völlig losgelöst und entkoppelt.

Darstellung Prinzip Garantien

Quelle: eigene Darstellung

 

3) Bei der Garantie muss der Garant sofort die vereinbarte Garantiesumme zahlen, wenn der Gläubiger diese einfordert. Ob ein Verschulden im Grundgeschäft vorliegt, ist für den Garanten nicht von Belang. Genaueres ist aber den vereinbarten Garantiebedingungen zu entnehmen.

Darstellung Prinzip Garantien

Quelle: eigene Darstellung

 

Es besteht also eine gewisse Nähe zur Bürgschaft. Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal besteht darin, dass die Garantie ihrem Wesen nach unabhängig vom Bestand einer Hauptschuld und sogar dann wirkt, wenn eine solche nicht entstanden ist (vgl. BGH, in NJW 1996, S. 2569). Der Garant haftet ferner völlig unabhängig davon, aus welchen Gründen der (garantierte) Erfolg nicht eingetreten ist, insbesondere, ob ein Hauptschuldner dies zu vertreten hat. In diesem Sinne ist das Garantieversprechen vom etwa zugrunde liegenden Grundgeschäft losgelöst bzw. entkoppelt. Einwendungen oder Einreden aus dem Grundgeschäft (wie . z. B. die "Einrede der Vorausklage" bei einer Ausfallbürgschaft) können die Haftung aus dem Garantieversprechen nicht mindern oder gar aufheben. Es wird deshalb auch von einer "abstrakten Haftung" gesprochen.

Aus diesem Grund kann etwa ein von einer solventen Bank zur Sicherung eines Zahlungsanspruches gegebenes Garantieversprechen fast wie Bargeld angesehen werden. Für den Schuldner der garantierten Verbindlichkeit, auf den die Bank auf der Grundlage des mit diesem geschlossenen Vertrages (Garantieauftrag) wegen ihrer Leistung zugreifen wird, bedeutet dies, bei der Wahl der Sicherungsmittel äußerst vorsichtig zu sein und die Vertragsbeziehungen sorgfältig zu verhandeln. Für den Schuldner (Auftragnehmer) ist es besser, selbstschuldnerische Bürgschaften oder notfalls Bürgschaften mit umfassenden Einredeverzicht zu stellen.

Es ist ferner festzuhalten, dass der Grad der Absicherung eines Gläubigers von der Ausfallbürgschaft über die selbstschuldnerische Bürgschaft und die Bürgschaft auf 1. Anfordern hin zur Garantie steigt.

Abschließend ist anzumerken, dass eine in Anspruch genommene Garantie (oder Bürgschaft) sich direkt auf das Vermögen bzw. die Liquidität des Auftragnehmers auswirkt. Er wird deshalb bemüht sein, eine "Inanspruchnahme der Garantie" durch den Auftraggeber zu vermeiden und somit seiner vertraglichen Leistungspflicht nachkommen. Außerdem wird der Auftragnehmer in der Angebotsphase gegenüber dem Auftraggeber versuchen:

  • die Garantie-/Bürgschaftssummen immer so klein wie möglich zu halten (da durch die Garantie/Bürgschaften sein Kreditrahmen direkt belastet wird)
    und
  • die Inanspruchnahme einer Garantie/Bürgschaft durch den Auftraggeber zu erschweren, indem er möglichst präzise Vereinbarungen treffen wird, unter welchen Voraussetzungen der Gläubiger den Bürgen in Anspruch nehmen darf.

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird zwischen Bürgschaft und Garantie nicht immer klar unterschieden. Gleichwohl lässt die Praxis den Trend erkennen, im nationalen Baugeschäft Bürgschaften und im internationalen Auslandsbau Garantien als Sicherheiten zu stellen.

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Avalkredite

Bürgschaften und Garantien werden im (internationalen) Handels- und Geschäftsverkehr üblicherweise über Avalkredite zur Verfügung gestellt. Bei einem Avalkredit übernimmt die Bank die Haftung für die Verbindlichkeit des Kunden (→ Schuldner) gegenüber dem Gläubiger und stellt diesem die geforderte Bürgschaft oder Garantie aus. Die Bank wird dem Schuldner dabei eine Kreditleihe gewähren.

Die Kreditleihe ist kein tatsächlicher Kredit, weil kein Geld zur Verfügung gestellt wird, solange der Gläubiger die Bürgschaft oder Garantie nicht in Anspruch nimmt. Sie ist insofern nur ein Kreditversprechen, das durch die Kreditwürdigkeit der Bank (→ Bonität der Bank) dem Gläubiger garantiert wird. Die Bank versucht sich bei diesem Geschäft schadlos zu halten, indem sie eine Keditleihe nur an Kunden vergibt, die ihrerseits eine hohe Bonität aufweisen.

Im Umkehrschluss folgt daraus, dass ein Schuldner, der dem Gläubiger keine Bürgschaft oder Garantie stellen kann, eine niedrige Kreditwürdigkeit haben muss, da die Banken nicht gewillt sind, ihm eine Kreditleihe zu gewähren. Das Ausstellen einer Bürgschaft oder einer Garantie für einen Gläubiger geht somit gleichzeitig einher mit einer Kreditwürdigkeitsprüfung des Schuldners durch die Bank.

Die Kosten (= Avalprovision) für den Avalkredit muss der Schuldner tragen.

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Arten von Bürgschaften bzw. Guarantees

Für ein Bauprojekt sind zwischen dem Auftraggeber und dem Auftragnehmer verschiedene Bürgschaften bzw. Garantien zu erbringen. Überwiegend hat dabei der Auftragnehmer (Unternehmer) für die verschiedenen Phasen des Projektes dem Auftraggeber (Bauherrn) Sicherheitsleistungen zu stellen. Auf Seite des Bauherrn kann eigentlich nur seine Verpflichtung zur Vergütung der Bauleistung gegenüber dem Auftragnehmer abgesichert werden (Zahlungsbürgschaft/-garantie). Da im Auslandsbau aber Vorauszahlungen des AG an den AN üblich sind, erübrigt sich häufig eine entsprechende Bürgschaft oder Garantie des AG. Die wichtigsten Bürgschaften bzw. Garantien im Bauwesen nach Bauphasen:

 

Darstellung möglicher Bürgschaften nach Bauphasen

Quelle: eigene Darstellung

 

Die folgenden Bürgschaften bzw. Garantien sind üblich:

  • Bietungsbürgschaft/-garantie
    (engl.: bid bond, tender guarantee, provisional guarantee)

    Die Bietungsbürgschaft dient dazu, die "Ernsthaftigkeit" eines Angebotes zu garantieren und soll verhindern, dass der Bieter nach der Zuschlagserteilung durch den Besteller sein Angebot, aus welchen Gründen auch immer, zurückziehen oder abändern möchte.
    Falls der Bieter sich weigert, sein vom Besteller angenommene Angebot auszuführen, kann der Besteller die Bürgschaft des Bieters in Anspruch nehmen und dadurch seinen evtl. Schaden (z. B. für eine Neuausschreibung) decken. Die übliche Höhe der Bietungsbürgschaft liegt bei 1% bis 5% der Angebotssumme.
    Die Bietungsbürgschaft ist mit dem Angebot zum Submissionstermin abzugeben. Sie erlischt mit der Rückgabe durch den Besteller oder mit Ende der Zuschlags- bzw. Bindefrist. Falls es zu einem Auftrag kommt, wird die Bietungsbürgschaft gegen eine Ausführungsbürgschaft bzw. Vertragserfüllungsbürgschaft ausgetauscht.

  • Ausführungsbürgschaft/-garantie
    (engl.: performance guarantee)

    Die Ausführungsbürgschaft dient dazu, dem Auftraggeber Geld für Ersatzleistungen und/oder für eventuelle Schadensersatz bereitzustellen, falls der Auftragnehmer in der Ausführungsphase seinen vertraglichen Leistungspflichten nicht mehr vollständig nachkommt bzw. die Arbeiten vor Vollendung der Bauleistung einstellt. Die Ausführungsbürgschaft ist nach Vertragsschluss durch den AN zu stellen und weist i. d. R. eine Höhe von 5% bis 10% der Auftragssumme aus. Sie endet mit der erfolgreichen Abnahme und wird gegen eine Mängelbeseitigungsbürgschaft abgelöst. Bei vereinbarten Teillieferungen bzw. Zwischenabnahmen ist eine Reduzierungsklausel vorzusehen.

  • Mängelbeseitigungsbürgschaft/-garantie
    (auch: Mängelansprüche- / Gewährleistungsbürgschaft)
    (engl.: guarantee for warranty obligations, warranty guarantee)

    Eine Mängelbseitigungsbürgschaft wird ausgestellt, damit der Auftragnehmer seinen vertraglichen Verpflichtungen während des Gewährleistungszeitraumes nachkommt (= Mängelbeseitung, Nachbesserungen). Erfolgt dies nicht, kann der Auftraggeber die Bürgschaft in Anspruch nehmen und eventuelle Ersatzleistungen damit bezahlen oder seinen Schaden kompensieren. Sie hat i. d. R. eine Höhe vom 3% bis 5% der Auftragssumme und ist dem Auftraggeber vor der Bezahlung der Schlussrechung auszustellen. Die Bürgschaftsdauer richtet sich nach dem vertraglich vereinbarten Gewährleistungszeitraum.

  • Vertragserfüllungsbürgschaft/-garantie
    (auch: Erfüllungsbürgschaft)
    (engl.: performance bond, performance guarantee)

    Die Vertragserfüllungsbürgschaft ist eine kombinierte Ausführungsbürgschaft und Mängelbeseitigungsbürgschaft. Sie erspart den Austausch der Ausführungsbürgschaft mit einer Mängelbeseitigungsbürgschaft zum Zeitpunkt der erfolgreichen Abnahme. Der AN muss zu diesem Zeitpunkt jedoch die Bürgschaftssumme anpassen lassen.
    Die Vertragserfüllungsbürgschaft soll die ordnungsgemäße, vertragliche Ausführung durch den Auftragnehmer zu gewährleisten.

  • Vorauszahlungsbürgschaft/-garantie
    (auch: Anzahlungs- / Rückzahlungsbürgschaft)
    (engl.: advance payment bond, advance payment guarantee)

    Für eine vom Auftraggeber erbrachte Vorauszahlung hat der Auftragnehmer eine Vorauszahlungsbürgschaft zu stellen, damit die Rückerstattung der Vorauszahlung abgesichert ist. Da der erhaltene Vorauszahlungsbetrag i. d. R. über die regelmäßigen Abschlagszahlungen sukzessiv an den Auftraggeber zurückgezahlt wird, ist die Höhe der Vorauszahlungsbürgschaft stetig zu mindern. Kommt der Auftragnehmer seiner Leistungspflicht nicht mehr nach, ist der Restbetrag der erhaltenen Vorauszahlung durch die Bürgschaft gedeckt. Die Höhe der Bürgschaft hängt von der Höhe der erhaltenen Vorauszahlung ab (i. d. R. 10% bis 30% der Auftragssumme). Die Laufzeit der Bürgschaft geht bis zur Beendigung der Lieferungen und Leistungen.

  • Zollbürgschaft/-garantie (AN an Zollbehörde)
    (engl.: customs guarantee)

    Bei grenzüberschreitenden Projekten fallen immer auch Zollverpflichtungen für die temporäre Ein- und Ausfuhr von Geräten, Maschinen, Anlagen, Baustelleneinrichtung usw. an. Bei der Zollbürgschaft ist der Begünstigte die Zollbehörde und nicht der Auftraggeber. Auf die Zoll-Besonderheiten eines jeden Landes ist genau zu achten.

  • Lieferbürgschaft/-garantie
    (engl.: delivery guarantee)

  • Zahlungsbürgschaft/-garantie (AG an AN)
    (engl.: payment guarantee)

    Die Zahlungsbürgschaft sichert den Zahlungsanspruch des Auftragnehmers auf die Auftragssumme ab. Sie ist vom Auftraggeber zu stellen. Häufig entfällt diese jedoch, da der Auftraggeber eine Vorauszahlung gewährt.

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Zahlungsmodalitäten im Auslandsbau

 

Der Erfolg eines Projektes hängt auch davon ab, dass die Zahlungsmodalitäten zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer eindeutig geregelt sind. Kommt es bei den Zahlungsabwicklung zu Konflikten oder ist die Liquidität des Projektes bereits gefährdet, weil Zahlungen ausstehen, können die Probleme schnell unübersichtlich werden und sich potenzieren. Fehlende Liquidität führt zu Problemen in anderen Bereichen des Projektes und bedingt eine Konflikt-Aneinanderreihung. Deshalb sind die Zahlungsmodalitäten im Vertrag präzise zu regeln, wobei die Vorstellungen des Auftraggebers und des Auftragnehmers dabei gegensätzlich sein können.

Aus der Sichtweise des eher benachteiligten Auftragnehmers sollten aber die folgende Aspekte berücksichtigt werden:

  • Währungsmix vertraglich regeln
    Im Auslandsbau fallen Kosten in Fremdwährung (Euro) und Lokalwährung (Währung des Projektlandes) sowie evtl. in einer Drittwährung (z. B. USD) an. Um Währungrisiken zu begrenzen, sollten in der Angebotsphase die Kosten prognostiziert werden, die in Fremd-, Lokal- und Drittwährung anfallen. Es gilt dabei, den Kostenanteil in Lokalwährung maximal auf die Summe der laut Kalkulation im Projektland anfallenden Zahlungen zu begrenzen. Der sich ergebende Währungsmix ist vertraglich festzulegen.
  • Vorauszahlung vereinbaren
    Eine Vorauszahlung kann verhindern, dass der Auftragnehmer mit seinen Lieferungen und Leistungen bis zum Projektende stets in Vorleistung gehen muss. Eine entsprechende hohe Vorauszahlung minimiert die Verlustrisiken des Auftragnehmers.
  • kopflastigen Zahlungsplan anstreben
    Beim Zahlungsplan sollte darauf geachtet werden, dass möglichst viele Baustellengemeinkosten und Allgemeine Geschäftskosten (Positionen, die nicht nach dem Leistungsverzeichnis abgerechnet werden) frühzeitig in Rechnung gestellte werden. Beispielsweisen können Demobilisierungskosten für Geräte teilweise bereits mit den Mobilisierungskosten abgerechnet werden, denn mit dem Hintransport zur Baustelle, steht auch der Rücktransport des Gerätes fest und wird kostenwirksam zu einem späteren Zeitpunkt anfallen.
  • regelmäßige und zeitnahe Rechnungsstellungen vereinbaren
    Leistungsabrechnungen sollten regelmäßig z. B. auf Monatsbasis erfolgen, so dass in Verbindung mit dem Zahlungsziel der maximale Zeitraum für die Vorleistung des Auftragnehmers 4 bis 12 Wochen nicht übersteigt.
  • kurze Zahlungsziele vereinbaren
    Es sind genaue Fristen für die Prüfung, Beanstandung und Korrektur der Rechnung festzulegen. Die Fristen sollten möglichst kurz sein, um den Zeitraum, in dem der Auftragnehmer in Vorleistungen geht, zu minimieren. Das Zahlungsziel sollte in Abhängigkeit von der Projektgröße nicht mehr als 2 bis 8 Wochen betragen.
  • Preisgleitklausen vorsehen
    Eine Preisgleitklausel stellt eine Vereinbarungen im Vertrag dar, welche die Festlegung eines Preises in die Zukunft verlegt. Die im Angebot dargestellten Preise für bestimmte Materialien u. a. sind dadurch vorläufige Preise, die zu einem späteren Zeitpunkt den dann herrschenden Bedingungen angepasst werden. Das Preis- bzw. Kalkulationsrisiko liegt dadurch beim Auftraggeber. Verträge, die Gleitklauseln beinhalten, werden als Gleitpreisverträge bezeichnet, anderenfalls als Festpreisverträge.

    Preisgleitklauseln sind immer dann in einem Vertrag zu vereinbaren, wenn:

    • allgemein davon ausgegangen werden kann, dass der Preis für ein Gut nicht stabil ist und sich ändernden Marktlagen anpassen wird.
    • die Vertragslaufzeiten für Lieferungen und Leistungen sehr lang sind (mehrere Monate oder Jahre).
    • das Projektland hohe Inflationsraten aufweist und somit inflationsbedingte Preisschwankungen eintreten können.
    • bei internationalen Geschäften allgemein mit Währungsunsicherheiten zu rechnen sind.

    Zur Anwendung kommen häufig indexorientierte Gleitklauseln, die auf ausgewählte Materialien bzw. den Lohn angewendet werden. Hierbei ist besondere Vorsicht geboten, denn die preisbildenden Indizes der Gleitklausel lassen sich mit dem Auftraggeber selten konfliktfrei und marktgerecht bestimmen. Für lokale Materialien oder Löhne gelten die Indizes des Statistikamtes o. Ä. im Projektland. Für internationale Güter sollten internationale Indizes vereinbart werden. Meistens fallen diese Indizes aber zu niedrig aus und bilden die Kostensteigerungen nicht korrekt ab. Abhilfe schafft die Betrachtung der historischen Preisentwicklung (ca. 5 Jahre zurück) für spezielle Güter (z. B. Baustahl, Zement, Holz, Kraftstoffe usw.) und darauf aufbauend eine eigene Schätzung der Kostenentwicklung über den Projektzeitraum.

  • Währungsklausel
    Währungsklauseln dienen dazu, bei Projekten mit mehreren Währungen die Wechselkursschwankungen zwischen diesen Währungen zu festgelegten Referenzkursen (meistens die Kurse ca. 30 Tage vor Submission) zu bestimmen.

 

Weitere Aspekte, die bei der Vereinbarung der Zahlungsmodalitäten zu beachten sind:

  • Vertragliche Zahlungsbedingungen der Ausfuhrgewährleistungen berücksichtigen:
    Wenn der Auftragnehmer Ausfuhrgewährleistungen abschließen möchte, muss er beachten, dass diese bestimmte Zahlungsbedingungen zwischen dem Auftraggeber und dem Auftragnehmer voraussetzen (Höhe der Anzahlung, Zeiträume für Rechnungsstellungen). Diese gilt es vertraglich einzuhalten, da ansonst keine Ausfuhrgewährleistungen und Avalgarantien ausgestellt werden können.
  • Sicherheiten des Auftraggebers einfordern:
    Nicht nur die Verbindlichkeiten des Auftragnehmers gehören abgesichert, sondern auch die des Auftraggebers. Der Auftragnehmer könnte diesbezüglich eine Zahlungsgarantie/-bürgschaft des Auftraggebers einfordern.
  • Petty Cash-Zahlungen vereinbaren:
    Um Währungsrisiken bzw. Konvertierungs- und Transferrisiken zu minimieren, ist es ratsam, so wenig wie möglich Währungen zu transferieren und zu konvertieren. Der notwendige Kostenanteil in Lokalwährung sollte aus der Vergütung des Auftraggebers kommen, was vertraglich vorab geregelt werden sollte. Die notwendige Bereitstellung von Lokalwährung sollte über Petty Cash-Zahlungen des Auftraggebers in bar oder auf ein lokales Konto des Auftragnehmers erfolgen. Die Petty Cash-Zahlungenen werden mit der Angebotssumme bzw. den Abschlagszahlungen verrechnet.

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Währungs-Problematik im Auslandsbau

 

Der "traditionelle" Auslandsbau ist dadurch gekennzeichnet, dass die Kosten und i. d. R. auch die Vergütung in mehreren Währungen anfallen. Zu nennen wäre die Währung des Landes des Baustellenortes (Lokalwährung) und die Währung des Landes des Auftragnehmers (Fremdwährung - z. B. Euro). Falls der Auftraggeber nicht aus dem Land der Baustelle kommt, bringt dieser unter Umständen eine dritte Währung ein. Es können ferner weitere Drittwährungen von Bedeutung sein (z. B. US-Dollar, britisches Pfund u. a.), wenn weitere Währungen für die Vergütung vereinbart wurden (z. B. bei der Förderung des Projektes durch internationale Entwicklungsbanken) und/oder ein internationaler Einkauf von Materialien, Entlohnung von Personal u. a. durch den Auftragnehmer stattfindet.

Aus den unterschiedlichen Währungen im Projekt entstehen Probleme, da sich die Währungskurse über die (teils sehr lange) Projektausführungszeit ändern und ihre Verläufe nicht prognostiziert werden können. Dies bedingt Risiken beim Auftragnehmer in der Kosten- und Gewinnkalkulation und beim Auftraggeber in der Projekt-Finanzierung.

Im "traditionellen" Auslandsbau gilt es bezüglich der Währungen die folgenden Aspekte zu berücksichtigen:

  • Risiko Währungsmix
  • Risiko Konvertierungskosten
  • Risiko Wechselkursschwankungen
  • Absicherung durch Fremdwährungskredit
  • Absicherung durch Hedging

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Risiko Währungsmix

Um die Kosten und Risiken der Fremdwährung zu begrenzen, wird jeder Projektbeteiligte versuchen, seine Anteile an fremden Währungen auf ein Minimum zu reduzieren, was die Fremdwährungsanteile des anderen Projektbeteiligten zwangsläufig erhöht. Der Besteller wünscht sich einen hohen Vergütungs- bzw. Finanzierungsanteil in Lokalwährung, während der Bieter den Anteil an Lokalwährung auf ein Minimum begrenzt sehen möchte und auf einen hohen Anteil an Fremdwährung (Euro) bestehen wird. Als Folge wird bei internationalen Geschäften häufig ein Währungsmix vereinbart, welcher durch den Bieter im Angebot vorgeschlagen wird. Dieser wird anhand seiner Kostenkalkulation bestimmen, auf was sich seine voraussichtlichen Kosten in Lokalwährung belaufen werden. Nur diesen Anteil wird er im Angebot als Vergütung in Lokalwährung ausweisen und für den Rest Fremdwährung (Euro) verlangen. Siehe dazu die folgende Darstellung:

 

Darstellung eines Währungsmix

Quelle: eigene Darstellung

 

Der Bieter sollte beachten, dass er sein Angebot gegenüber dem Besteller mittels des Währungsmixes optimieren kann. Sollte die Vergabe nicht nur an das billigsten Angebot erfolgen, sondern auch der Währungsmix durch den Besteller berücksichtigt werden, so können Bieter mit einem hohen Anteil an lokaler Währung trotz eines höheren Gesamtpreises durchaus bevorzugt werden, weil dabei die Währungsrisiken für den Besteller geringer ausfallen. Es gilt aber zu beachten, dass jeder Bieter ein größeres Risiko eingeht, wenn er in seiner Kalkulation den Anteil an fremden Währungen über das notwendige Maß hinaus erhöht.

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Risiko Konvertierungskosten

Der Tausch von Währungen ist verbunden mit Kosten. Diese hängen davon ab, welche Währungen untereinander getauscht werden und ob Devisen oder Sorten zum Tauschen vorliegen.

 

Exkurs Begriff: "Sorten"

Sorten sind ausländische Banknoten und Münzen, also physisch greifbares Geld. Der Sortentausch findet mittels An- und Verkaufskursen statt. Kauft eine Bank Sorten an (tauscht beliebige Währungen gegen Euro), so findet der Währungstausch über den Ankaufskurs statt. Kauft ein Kunde Sorten an (tauscht Euro gegen beliebige Währungen), so findet der Währungstausch über den Verkaufskurs statt. Die Begiffe "Sorten-Ankauf" und "Sorten-Verkauf" sind immer aus der Sichtweise der Bank zu sehen (Bank kauft Sorten an oder verkauft Sorten). Die Ankaufs- und Verkaufskurse sind nicht identisch. Der Sortenhandel ist für das Bauwesen kaum von Bedeutung.

Exkurs Begriff: "Devisen"

Devisen stellen Buchgeld dar, also Geld, das nicht physisch als Bargeld vorhanden ist. Devisen sind z. B. Forderungen auf ausländische Währungen bzw. im Ausland zahlbare Forderungen. Gegenstand des Devisenhandels ist also das Recht, eine Währung zu erwerben, nicht aber die greifbare Währung (Sorten) selbst. Er unterscheidet zwischen Geld- und Briefkurs. Der Geldkurs ist der höchste Kurs, zu dem ein Käufer bereit ist, Devisen zu kaufen (bid; Nachfragepreis). Der Briefkurs ist dagegen der niedrigste Kurs, zu dem Verkäufer bereit sind, Devisen zu verkaufen (ask; Angebotspreis). Der Briefkurs ist i. d. R. höher als der Geldkurs, da am Markt die offerierten Verkaufspreise üblicherweise höher sind als die tatsächlichen Kaufpreise. Der Unterschied zwischen beiden Werten wird Geld-Brief-Spanne oder Spread bezeichnet. Geld- und Briefkurs verändern sich ständig. Der Devisenkurs ist letztendlich der Kurs, zu dem Währungen untereinander getauscht werden.

 

Ein geschäftsrelevanter Währungstausch mittels Sorten (Bargeld) dürfte im Bauwesen eher die Ausnahme sein. Falls für ein Projekt eine Anschub- oder Zwischenfinanzierung (z. B. 1 Mio. Euro) in lokaler Währung notwendig ist, geschieht dies über einen Devisentausch. Dazu muss auf ein eingerichtetes Unternehmenskonto im Projektland eine Überweisung getätigt werden, die mit einem Geldtransfer und einer Konvertierung von Euro zur Währung des Projektlandes verbunden ist. Zu einem späteren Zeitpunkt wird diese Anschub- bzw. Zwischenfinanzierung wieder zurück überwiesen. Abermals findet ein Geldtransfer und eine Konvertierung von der Währung des Projektlandes zu Euro statt. Hierbei fallen Kosten bzw. Verluste an, die in Abhängigkeit von der konvertierten Währungen unterschiedlich hoch sein können.

Mit hohen Konvertierungsverlusten ist zu rechnen, wenn das Projektland ein sogenanntes "Weichwährungsland" ist. "Weichwährungsländer" sind dadurch gekennzeichnet, dass ihre Währung häufig abgewertet wird, die Wechselkursentwicklungen instabil sind und/oder überdurchschnittlich hohe Inflationsraten im Land vorliegen. "Weiche" Währungen sind daran erkennbar, dass zwischen dem Ankauf- und dem Verkaufskurs zu einer "harten" Währung große Differenzen (Spreads) vorliegen. Der Kauf einer solchen Währung und der sofortige Rücktausch - so dass der Einfluss von Kursschwankungen ausgeschlossen werden kann - würde bei diesen Währungen zu hohen Verlusten führen. Ferner sind "weiche" Währungen nicht immer frei handelbar und teils durch Devisenbewirtschaftungs-Bestimmungen geschützt. Bei einer "harte" Währung dagegen liegen die An- und Verkaufskurse zu einer anderen "harten" Währung nahe beeinander und der Verlust durch einen doppelten Währungstausch ist gering. "Harte" Währungen sind frei handelbar und ohne Beschänkungen in andere Währungen konvertibel. Sie werden als Finanzmittel bevorzugt, da sie Wertstabilität versprechen.

Siehe dazu die folgenden Sortenkursen (aus dem Internet vom 06.07.2012):

 

Darstellung Sortenkurse am 06.07.2012

Quelle: Internet bei www.goyax.de am 06.07.2012

 

Beispiel Sortentausch zwischen "harter" (Euro) und "harter" (Schweizer Franken) Währung:

1 Mio. Euro » 1.000.000,- Euro x 1,2517 SFr/Euro = 1.251.700,- SFr
1.251.700,- SFr » 1.251.700,- SFr / 1,3253 SFr/Euro = 944.465,- Euro
 

Konvertierungsverluste/-kosten:
(bei doppeltem Währungstausch)

= -55.535,- Euro
= -5,5%

 

Beispiel Sortentausch zwischen "harter" (Euro) und "weicher" (Südafrikanischer Rand) Währung:

1 Mio. Euro: » 1.000.000,- Euro x 8,7491 ZAR/Euro = 8.749.100,- ZAR
8.749.100,- ZAR: » 8.749.100,- ZAR / 11,0141 ZAR/Euro = 794.355,- Euro
  Konvertierungsverluste/-kosten:
(bei doppeltem Währungstausch)
= -205.645,- Euro
= -20,6%

 

Die Entwicklungs- und Schwellenländer, die einen Schwerpunkt im "traditionellen" Auslandsbau darstellen, weisen häufig "weiche" Währungen auf. Beim Transfer und der Konvertierung von Betriebs-/Finanzmitteln in diese Länder und dem späteren Rücktransfer sind die Kosten bzw. Verluste des Währungstausches zu beachten.

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Risiko Wechselkursschwankungen

Ein weiteres Währungsproblem tritt in Verbindung mit den Wechselkursverläufen der Währungen auf.

Das Angebot, mit dem sich ein Bieter um einen Auftrag bemüht, berücksichtigt bei einem Projekt mit mehreren Währungen stichtagsbezogene Währungskurse, die der Kalkulator in der Angebotsphase festlegt und evtl. in der Verhandlungsphase noch einmal anpasst. Aus diesen Kursen ergeben sich der Währungsmix, die Angebotssumme in Euro und die Kostenansätze bzw. Vergütungssätze für alle Leistungen, die in einer fremden Währung kalkuliert wurden. Durch die Zuschlagserteilung werden diese Annahmen vertraglich fixiert.

Über die Projektdauer verharren diese Wechselkurse i. d. R. nicht auf den getroffenen Annahmen, sondern schwanken mehr oder weniger stark. Da im Auslandsbau zwischen dem Submissionstermin, dem Vertragsabschluss, dem Baubeginn, der Abnahme des Projektes und der Begleichung der Schlussrechnung üblicherweise Jahre liegen, ist eher mit starken als mit geringen Schwankungen zu rechnen. Diese gehen meist zu Lasten des Bieters aus einem Land mit einer "harten" Währung.

Siehe dazu die folgende Darstellung:

 

Darstellung von Wechselkursbeispielen

Quelle: Daten von www.oanda.com; eigene Darstellung

 

Steigt der Kurs der lokalen Währung gegenüber der Fremdwährung (Euro), bedeutet dies, dass die lokale Währung gegenüber der Fremdwährung abgewertet wurde. Als Folge werden Importwaren im Projektland teurer. Beispielsweise wurden in Argentinien im Dezember 2001 für Importwaren im Wert von einem Euro ~0,90 Peso gegengerechnet. Im Mai 2002, also nur 6 Monate später, mussten für die selben Importwaren bereits ~3,70 Peso gezahlt werden, was einer Verteuerung um 310% entsprach.

Eine solche Kursschwankung führt dazu, dass die Kosten im Projektland steigen. Diese Teuerung wirkt sich dabei primär auf die Importgüter und sekundär auch auf alle lokal hergestellten Güter aus. Die Einkaufskosten vor Ort für baurelevante Güter wie Zement, Stahl, Holz usw. aber auch Kraftstoff, Energie, Nahrungsmittel, Löhne und vieles mehr steigen und entsprechen damit nicht mehr den Annahmen des Angebotes. Die Folgen für den Auftragnehmer hieraus sind:

  • Der Einkauf von Güter und Dienstleistungen vor Ort wird wesentlich teurer.
  • Die lokalen Löhne steigen.
  • Für die Rückzahlung tranferierter und konvertierter Betriebsmittel (z. B. Anschubfinanzierung in Lokalwährung) muss zu einem späteren Zeitpunkt wesentlich mehr Lokalwährung aufgebracht werden, um den gleichen Fremdwährungsbetrag (Euro) ausgleichen zu können.
  • Der Anteil an vertaglich vereinbarter Vergütung in Lokalwährung, der konvertiert und transferiert werden soll, verliert an Wert.

Für den Bauherrn gilt, dass seine ursprünglich geplante Finanzierung gefährdet ist, da sich der Vergütungsanteil in Fremdwährung (also Euro) für ihn (extrem) verteuert. Er muss wesentlich mehr Finanzmittel (Lokalwährung) bereitstellen, um den Fremdwährungsanteil bedienen zu können.

Hätte der Bauherr einen Vertrag nur in Lokalwährung abgeschlossen, würden sich keine Änderungen an seiner Finanzierung ergeben. Aber der Auftragnehmer hätte dann erhebliche Probleme seine Kosten in Fremdwährung zu decken, da er aus dem Umstand der in Lokalwährung gezahlten Vergütung nur einen Bruchteil der von ihm kalkulierten Fremdwährung erhält und seine Kostenbestandteile in Fremdwährung nicht gedeckt bekommt. Hieraus ist ersichtlich, dass der Auftraggeber und der Auftragnehmer beim Währungsmix diametrale Interessen vertreten und einen Kompromiss "in der Mitte" schließen sollten, so dass jeder etwas vom Währungsrisiko zu tragen hat.

Die Kursverläufe der Währungen können nicht vorhergesehen werden. Eine Währung kann langsam über Monate auf- oder abgewertet werden und nach Kursschwankungen sich auch wieder ausgleichen (siehe indische Rupien). Sie kann sich aber auch schlagartig innerhalb eines Tages verändern (siehe irakische Dinar). Die Auswirkungen treffen beide Vertragsparteien und führen i. d. R. dazu, dass die ursprüngliche Kalkulations- bzw. Finanzierungsgrundlage obsolet wird.

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Absicherungsinstrument gegen Kursschwankungen von Fremdwährungen

Fremdwährungskredit

Für beide Vertragparteien ergeben sich aus dem vertraglich vereinbarten Währungsmix Risiken, da bei einem jeweiligen Tausch des fremden Währungsanteils Konvertierungskosten und Risiken aus einem nicht vorhersehbarem Wechselkursverlauf auftreten. Der Auftragnehmer kann dieses Problem hinsichtlich der Anschubfinanzierung im Projektland allerdings umgehen, wenn er einen Fremdwährungskredit (= Kredit in der Währung des Projektlandes) abschließt.

In diesem theoretischem Beispiel wird zu Beginn der Baumaßnahme durch den Auftragnehmer ein Kredit in lokaler Währung zu festgelegten Konditionen (Zinsen und Laufzeit) aufgenommen, der in seiner Höhe die lokalen Baukosten für Materialien, Geräte, Löhne usw. sowie die Kreditzinsen abdeckt. Aus diesem Kredit heraus werden die laufenden Baukosten, die in der lokalen Währung anfallen, bis zum Projektende bezahlt. Ist das Projektende erreicht, sollte der Kredit aufgebraucht sein. Der Kredit wird über den Vergütungsanteil in lokaler Währung zurückgezahlt, der die gleiche Höhe haben sollte wie der Kredit. Durch dieses Konstrukt findet kein Währungstausch statt, wodurch die Risiken der Konvertierungskosten und des unbekannten Wechselkursverlaufes nicht eintreten können. Es gilt aber, die Kosten des Fremdwährungskredites zu beachten. Vorteilhaft für beide Vertragsparteien ist es, wenn der Auftraggeber durch eine Vorauszahlung dem Auftragnehmer einen solchen Kredit gewährt.

 

Hedging

Das Hedging (engl.: absichern) von Devisen stellt eine Absicherung gegen Wechselkursschwankungen dar und reduziert ein mögliches Verlustrisiko eines Devisengeschäftes, welches in der Zukunft liegt. Dazu geht die Person (der Käufer, Hedger), die z. B. einen aktuellen Wechselkurs für die Zukunft abgesichert haben möchte, eine Termingeschäft ein.

Devisentermingeschäft

Mittels eines Devisentermingeschäftes läßt sich auf der Basis eines aktueller Wechselkurses (Devisenkassakurs) ein zukünftiger Wechselkurs (Devisenterminkurs) verbindlich vereinbaren und somit das Wechselkursrisiko eliminieren. Dazu werden die folgende Punkte festgelegt:

  • aktueller Wechselkurs der zu tauschenden Währungen (Devisenkassakurs)
  • Höhe des zu tauschende Währungsbetrages
  • Laufzeit des Devisengeschäftes bzw. Zeitpunkt des Umtausches
  • Auf- bzw. Abschlag zum Devisenkassakurs (Report oder Deport)
  • Höhe des Terminkurses (welcher sich aus dem Kassakurs und der Höhe des Auf- und Abschlages ergibt).

Für die Bereitstellung des entsprechenden Euro-Betrages am Fälligkeitstag zahlt der Hedger Zinsen über die Laufzeit des Termingeschäftes. Dieser Zins wird nicht gesondert verrechnet sondern im Terminkurs durch den "Report" bzw. den "Deport" berücksichtigt, welche zum Kassakurs zugerechnet werden.

Dieser Auf- und Abschlag im Terminkurs ergibt sich aus der Zinsdifferenz für vergleichbare Geldanlagen in den Ländern der beiden Währungen, die gehandelt werden. Insofern ist ein Devisentermingeschäft vergleichbar mit einem (Fremdwährungs-)Kredit.

 

Darstellung des Prinzips Devisentermingeschäft

Quelle: eigene Darstellung

 

Das Devisentermingeschäft ist ein festes Termingeschäft, dass von beiden Vertragspartnern am Ende der vereinbarten Laufzeit unbedingt erfüllt werden muss.

 

Devisenoptionsgeschäft

Demgegenüber steht das Devisenoptionsgeschäft, bei dem der Käufer (Hedger) ein Wahlrecht hat, die vereinbarte Option auszuüben oder sie verfallen zu lassen. Ein Zwang zum Währungstausch besteht nicht. Wenn sich der Wechselkurs für den Käufer schlecht entwickelt, wird er die Option nutzen und das Termingeschäft in Anspruch nehmen. Anderersseits kann er bei einer positiven Entwicklung des Wechselkurses die Option verfallen lassen und einen zusätzlichen Gewinn aus einem Devisentausch zum aktuellen Wechselkurs (Kassakurs) generieren. Er sichert dadurch die Gefahr von Verlusten ab und erhält sich die Chancen auf zusätzliche Gewinne. Die Kosten eines Optionsgeschäftes sind jedoch wesentlich höher als bei einem festen Termingeschäft. Des Weiteren sind Devisenoptionsgeschäfte auf bestimmte Währungen begrenzt.

 


 

Literaturquellen

  • Beck'sche Kurz-Kommentare (2012); Palandt - Bürgerliches Gesetzbuch; Kommentare von Sprau u. a. zu §§ 765 ff.
  • Görres (2007); Analyse und Darstellung spezifischer Probleme der Kalkulation von Bauvorhaben im Ausland; Diplomarbeit
  • Jacob (2006); Finanzierung und Bilanzierung in der Bauwirtschaft
  • Kulick (2010); Auslandsbau
  • Olfert (2004); Lexikon der Betriebswirtschaftslehre

 


Bearbeitungsstand dieser Webseite: März 2018

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