Mitarbeiter in Saudi-Arabien
Anlagenbau in Saudi-Arabien
Staudamm- & Kraftwerksbau in Nepal
Tunnelbau/-sanierung in Indien

Bau-Consulting Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Wirt.-Ing. (FH) Laurenz Görres

Baubetriebliche Besonderheiten im Auslandsbau

Link zu:

 

Logistik

 

Das Thema "Logistik von Ger√§ten und Materialien" hat im "traditionellen" Auslandsbau einen wesentlich h√∂heren Bedeutungswert als im Inlandsbau, da in Entwicklungs- und Schwellenl√§ndern der √ľberwiegende Teil an Produktionsmittel zur Abwicklung der Bauma√ünahme nicht vor Ort vorhanden ist und somit "herangeschafft" werden muss. Mit dem Prozess des "Heranschaffens" der notwendigen Produktionsmittel besch√§ftigt sich die Logistik. Als "logistische" Produktionsmittel sind dabei jene G√ľter zu verstehen, die am Ort der Baustelle als Teil des Bauobjektes oder als Teil der Bauma√ünahme oder als Teil des Bauprozesses erforderlich sind. Die Logistik ist also ein wesentlicher Teil des gesamten Bauprozesses. Sie regelt die Versorgung der Baustelle, indem sie

  • das richtige Produkt,
  • in der richtigen Menge und
  • in der richtigen Qualit√§t,
  • zum richtigen Zeitpunkt und
  • am richtigen Ort,
  • zu den richtigen Kosten

bereitstellt ("6R-Regel").

 

Bei der Logistik ist zu unterschieden zwischen den "logistischen G√ľtern":

  • Ger√§te und Ersatzteile,
  • Materialien,
  • Personal und
  • Wissen.

 

Logistik im Auslandsbau

Die Ger√§te-Logistik f√ľr Projekte des "traditionellen" Auslandsbaus stellt sich wie folgt dar:

 

Darstellung Geräte-Logistik

Quelle: eigene Darstellung

 

Es ist dabei zu ber√ľcksichtigen, dass je nach Transportphase unterschiedliche Kosten anfallen, die es genauer zu differenzieren gilt. Auch muss ein Augenmerk auf die teils langen Transportzeiten im "traditionellen" Auslandsbau gegeben werden, da es sich z. B. bei Transport von Gro√üger√§ten um spezielle Transporte handelt.

 

Die Material- bzw. Baustoff-Logistik f√ľr Projekte des "traditionellen" Auslandsbaus stellt sich wie folgt dar:

 

Darstellung_Material-Logistik

Quelle: eigene Darstellung

 

Bei der Materialanlieferung bis zur Baustelle ist zu ber√ľcksichtigen, dass die Vorlaufzeiten im Auslandsbau erheblich sein k√∂nnen (mehrere Monate!). Fehlendes Material auf der Baustelle f√ľhrt zu St√∂rungen des geplanten Bauprozesses und somit auch zum (u. U. mehrfachen) Terminverzug.

Ferner ist im Auslandsbau zu ber√ľcksichtigen, dass der Export und Import von Materialien bzw. grenz√ľberschreitende Materiatransporte immer mit teils hohem logistischen Aufwand verbunden sind. Hier sind Puffer im Terminplan und zus√§tzliches Personal (z. B. Logistiker) zu ber√ľcksichtigen und es ist - falls m√∂glich - die Kompetenz des lokalen AG einzubinden, der sich vor Ort mit der Gesetzgebung i. d. R. besser auskennt.

Anhand der Darstellungen ist ersichtlich, dass die Logistik von Geräten und Materialien im Auslandsbau im Vergleich zu einem Projekt in Deutschland wesentlich komplizierter und aufwendiger ist.

nach oben

 

Lieferungsbedingungen im Außenhandel (Incoterms)

 

Um Kaufwaren von einem Punkt A zu einem Punkt B in der Welt zu bringen, sind nebem dem Absender (Verkäufer) und dem Empfänger (Käufer) meist noch andere Personen bzw. Unternehmen beteiligt. In Erscheinung treten beispielsweise:

  • der Spediteur,
  • verschiedene Transport-/Logistikunternehmen,
  • Be- und Entladungsunternehmen,
  • Versicherungsunternehmen,
  • der Zoll im Ausfuhr- und Einfuhrland.

Das zu transportierende Gut wechselt dabei mehrmals das Transportmittel und wird eventuell zwischengelagert und entsprechend h√§ufig umgeschlagen. Dies gilt insbesondere im Bauwesen, wo volumin√∂se Masseng√ľter (Baustoffe, Bauhilfsstoffe u. a.) oder schwere St√ľckg√ľter (z. B. Anlagen, Bauger√§te) √ľberwiegend per Seetransport zu transportieren sind. Es ist ersichtlich, dass auf der Transportkette von Punkt A nach Punkt B Gefahren f√ľr das Gut auftreten und Kosten entstehen, f√ľr die am Transport beteiligten Personen bzw. Unternehmen.

Die Gefahren und Kosten, die in Verbindung mit der G√ľterlieferung stehen, sind zwischen dem Absender und Empf√§nger aufzuteilen und zu regeln. Dabei kann zwischen beiden alles frei vereinbart werden, da international g√ľltige Gesetze, Regeln oder Vereinbarungen hierzu nicht existieren. Somit k√∂nnen Kosten und Gefahren der Lieferung g√§nzlich beim Absender oder beim Empf√§nger liegen oder zwischen beiden geteilt werden.

Um hier klare Grenzen zu ziehen, wurden bereits 1936 von der Internationalen Handelkammer in Paris einheitliche Regeln und Begriffe eingef√ľhrt, die bis heute unter dem Begriff "Incoterms" gel√§ufig sind. Der Begriff "Incoterms" steht dabei f√ľr "International Commercial Terms". Sie regeln die Rechte und Pflichten von dem Verk√§ufer und dem K√§ufer und teilen die Gefahr- und Kostentragung des Transportes zwischen beiden pr√§zise auf. Dadurch werden Missverst√§ndnisse bei der Abwicklung grenz√ľberschreitendem Warenverkehrs vermieden. Die Regeln wurden bis heute mehrfach √ľberarbeitet und liegen z. B. in Fassung aus den Jahren 1990, 2000 und 2010¬† vor. Sie gelten nur f√ľr Kaufvertr√§ge. Was die Incoterms regeln, zeigt die folgenden Darstellung:

 

Darstellung der Incoterms

Quelle: eigene Darstellung

 

Auf dem Transportweg zwischen Verk√§ufer und K√§ufer gibt es unterschiedliche Stationen, an denen Kosten anfallen und Gefahren f√ľr das Gut bestehen. Hierzu z√§hlen ab dem Auslieferungspunkt des Werkes:

  • Verladen im Werk,
  • Transport zum Verschiffungshafen,
  • Abladen im Verschiffungshafen,
  • evtl. Zwischenlagern im Verschiffungshafen,
  • Ausfuhrkosten (Zoll),
  • Verladen an Bord des Schiffes,
  • Seefracht zum Bestimmungshafen
  • Entladen von Bord des Schiffes,
  • evtl. Zwischenlagern im Bestimmungshafen,
  • Einfuhrkosten (Zoll) und
  • Transportkosten vom Hafen zur Baustelle.

Wer bis wohin die Transportkosten und die Gefahren f√ľr Besch√§digung oder Untergang der Ware tr√§gt, bestimmen dabei die Klauseln der Incoterms, die weltweit bekannt sind und G√ľltigkeit habe, sofern sie korrekt vereinbart wurden.

Da alle bisher herausgebrachten Incoterms immer noch ihre G√ľltigkeit haben, ist bei jeder Vereinbarung neben der genauen Incoterms-Klausel und einer genauen Ortsangabe auch das Jahr der Incoterms-Fassung zu nennen, auf die Bezug genommen wird. Wenn dies im Kaufvertrag nicht richtig erfolgt, ist die Incoterms-Vereinbarung ung√ľltig. Die richtige Angabe lautet:

 

Klauselname - Ortsangabe - Fassung der Incoterms

 nach oben

 

Projekt-Beteiligte

 

Bei einem internationalen (Gro√ü-)Projekt, wie es h√§ufig beim "traditionellen" Auslandsbau vorliegt, gibt es i. d. R. eine gro√üe Anzahl an Projekt-Beteiligten, die dem Umfeld des Auftraggebers oder dem Umfeld des Auftragnehmers zuzuordnen sind. Auf der folgenden Darstellung sind beispielhaft die Projekt-Beteiligten aufgef√ľhrt, die bei einem Projekt des "traditionellen" Auslandsbaus involviert sein k√∂nnen.

 

Darstellung Projektbeteiligte

Quelle: eigene Darstellung

 

Aus der Darstellung ist ersichtlich, dass:

  • Auftraggeber und Auftragnehmer mittels eines (internationalen) Bauvertrages eine Gesch√§ftsbeziehung eingehen, bei der der Auftragnehmer das Bau-Soll zu erstellen und der Auftraggeber die dem Bau-Soll entsprechende Verg√ľtung zu erbringen hat.

  • bei solchen Projekten neben dem Auftraggeber und dem Auftragnehmer noch andere Personen und Institutionen an dem Projekt beteiligt sind, die entweder vertraglich direkt mit dem Auftraggeber oder dem Auftragnehmer verbunden sind oder die indirekt Einfluss auf das Projekt nehmen k√∂nnen bzw. ein begr√ľndetes Interesse an dem Projekt haben.

 

Die folgende Auflistung gibt eine √úbersicht √ľber die Personen und Institutionen, die an einem internationalen Projekt beteiligt sein k√∂nnen.

Nationale und internationale Projekt-Beteiligte, die (eher) dem Bauherrn bzw. Auftraggeber zuzuordnen sind:

  • (Fach-)Planer und Architekten (bei Einzellosvergabe, GU-/G√ú-Vergabe),

  • Diverse Berater (Juristen, Wirtschaftspr√ľfer ...),

  • Projektmanager / Projektsteuerer / Projekt-Consultant,

  • Lieferanten,

  • Andere Auftragnehmer (falls Teillose vergeben wurden),

  • Geldgeber / Finanziers,

  • staatliche Beteiligte des Gastlandes (Regierung, Verwaltung, Beh√∂rden),

  • staatliche Beteiligte aus Drittl√§ndern (Regierungen der Geberl√§nder),

  • Gesellschaften / Stiftungen (wie z. B. GIZ) und
  • Sonstige.

 

Nationale und internationale Projekt-Beteiligte, die dem Auftragnehmer zuzuordnen sind:

  • (Fach-)Planer und Architekten (h√§ngt vom vereinbarten Leistungumfang ab, vorwiegend bei TU-/T√ú-Vergabe)

  • Arge-Partner bzw. Kooperationsunternehmen (h√§ngt vom Auftragnehmertyp ab),

  • Nachunternehmer (eigene oder seitens AG "nominierte"),

  • Lieferanten,

  • Spediteure und Transporteure,

  • Diverse Berater (Juristen, Wirtschaftsberater, Steuerberater, ...),

  • Banken,

  • Versicherungen und

  • Sonstige.

 

Nationale und internationale Projekt-Beteiligte, die sowohl dem Auftraggeber als auch dem Auftragnehmer zugeordnet werden können:

  • staatliche Institutionen des Gastlandes (Beh√∂rden),

  • Mediator / Schlichter und

  • Personen eines Schiedsgerichtes.

 

Die genaue Zuordnung einzelner Personen bzw. Institutionen zum AG oder AN hängt ganz wesentlich davon ab, welcher Leistungsumfang im Bauvertrag (GU-/GÜ-/TU-/TÜ-Vertrag u. a.) vereinbart wurde.

nach oben

 

Baustellen-Personal (des AN)

 

Das Baustellen-Personal des Auftragnehmers bzw. Unternehmers wird unterschieden nach:

  • Expatriates (Expat)

    Engl.: expatriate "ausb√ľrgern, st√§ndig im Ausland leben" bzw. lat.: expatriatus "aus der Heimat fortgegangen". Hoch-qualifizierte Mitarbeiter aus Deutschland oder anderen Industrienationen, die f√ľr ein Unternehmen vor√ľbergehend im Ausland t√§tig werden. Expatriates √ľbernehmen das Baumanagement und die Bauleitung, weshalb haupts√§chlich Ingenieure, (Bau-)Kaufleute, Poliere bzw. Techniker eingesetzt werden. Da Expatriates relativ teure Mitarbeiter sind, ist ihr Arbeitseinsatz effizient zu planen und die Gesamtzahl im Projekt minimal zu halten.

  • Third Country Nationals (TCN)

    Mitarbeiter, die als gewerbliche Arbeitskr√§fte in Drittl√§ndern angeworben werden, um f√ľr eine befristete Zeit (i. d. R. mind. 2 bis x Jahre) f√ľr das Unternehmen und das Projekt zu arbeiten. Sie bringen eine baustellen-typische Berufsqualifikation mit und werden als gelernte Arbeitskr√§fte (skilled labour), als Facharbeiter/Polier (foreman) oder Ingenieur (engineer) in allen Positionen des Projektes eingesetzt. Kostenm√§√üig fallen sie (erheblich) weniger ins Gewicht als Expatriates.

  • Locals

    Mitarbeiter, die vor Ort als Arbeitskr√§fte angeworben und eingestellt werden. Oft bringen sie keine Qualifikation f√ľr die Baustelle mit und m√ľssen vor Ort f√ľr ihre Arbeit angelernt werden. Es ist zu beachten, dass fallweise die Gesetzgebung (z. B. in Saudi-Arabien) oder der Bauvertrag eine Quote f√ľr lokale Arbeitskr√§fte vorsieht, die zu erf√ľllen ist. Von dieser Quote ist abh√§ngig, wieviel Expatriates und TCN auf dem Projekt arbeiten d√ľrfen (‚Üí Anzahl Visa-Ausstellungen).

 

Ferner kann das Personal auf der Baustelle seinem Verantwortungs- und Einsatzbereich nach zugeordnet werden dem:

  • Bau-Management bzw. der Bauleitung
  • Baustellen-Innendienst
  • Baustellen-Au√üendienst

 

Die folgende Auflistung gibt eine grobe √úbersicht √ľber die Personen, die seitens des Auftragnehmers auf einer (Gro√ü-)Baustelle erforderlich sein k√∂nnen.

 

als Expatriates

Expat-Baumanagement / -Bauleitung Expat-Poliere
Project Manager General Foreman or Superintendent
Commercial Manager General Foreman Formwork
Site Manager General Foreman Reinforcement
Site Office Manager General Foreman Concrete Works
Contracts & Claim Manager General Foreman Steel Works
Construction / Operations / Section Manager General Foreman Excavation Works
Quality Control (QC) Manager General Foreman Tunneling Works
Workshop Manager General Foreman Drilling Works
Site Engineer (Senior / Junior) General Foreman ... / Superintendent ...
Mechanical Engineer (Senior / Junior) Workshop Foreman
Electrical Engineer (Senior / Junior) Mechanical Foreman
Geotechnical Engineer (Senior / Junior) Electrical Foreman
Surveying Engineer / Surveyor Plant Foreman
Lab(oratory) Engineer Welder
Office Engineer (Senior / Junior) Special Equipment Operator
Design Engineer (Senior / Junior) Heavy Equipment Operator
Work-Preparation Engineer Rig Operator
Scheduler

Specialists: Blasting Foreman

... Specialists: Bentonite Handling
Sonstige (auf sehr großen Projekten) Specialists: ...
Project Director ...
Human Ressources Manager  
Logistics Manager  
Safety Manager  
Expat Store Keeper  
Expat Public Relation Officer  
...  

 

als TCN and Locals

Bauleitung / Technisch Kaufmännisch Poliere & Arbeitskräfte
Site Engineer (Sen./Jun.) Commercial Manager General Foreman ...
Office Engineer (Sen./Jun.) Commercial (Sen./Jun.) Foreman Formwork
Mechanical Engineer Chief Accountant Foreman Reinforcement
Electrical Engineer Site-Accountant Foreman Concrete Works
Work-Preparation Engineer Payroll-Accountant Foreman Steel Works
Scheduler Chief Secretary / Secreatary Foreman Excavation Works
Draftsman / CAD-Operator Office-Boy Foreman Tunneling Works
Surveyor (Sen./Jun.) Submittal Clerk Foreman Electrical Works
QAQC Manager Purchaser Foreman Mechanical Works
QAQC Officer / Inspector Store Keeper Foreman HVAC Works
Lab(oratory) Engineer Time Keeper Foreman ...
Safety Manager Human Ressources Manager Supervisor ...
Safety Officer / Inspector Public Relations Officer Mechanical Foreman
Procurement Coordinator IT-Administrator Mechanic heavy equipment
... Male Nurse Car-Mechanic
  Security Manager (Sen./Jun.) Eletrical Foreman (Site)
  Security Officer / Security Site-Electrician
  Camp Manager Equipment-Electrician
  Laundry Man Welder (Sen./Jun.)
  Office-Driver Carpenter
  Cleaner Rebar-Fitter
  ... Steel-Fitter
    Concrete Worker
    Mason / Brick Layer
    Plumber
    Scaffolder
    Lab(oratory) Technician
    ...
    Equipment Operator
    Light Equipment Operator
    Service Equipment Operator
    Truck Driver
    Pickup Driver
    Banksman
    Surveyor Helper
    Helper
    ...
    skilled labour
    semi-skilled labour
    unskilled labour

 

Falls es ein Baustellencamp gibt, ist auch das Personal f√ľr das Camp, die K√ľche/das Catering, einen Einkaufsladen, die Krankenstation usw. zu ber√ľcksichtigen. In Krisenl√§ndern mit erh√∂hten Bedrohungsszenarien ist au√üerdem umfangreiches Security-Personal zu beachten und einzukalkulieren und zwar im Bereich der Baustelle und des Camps.

 

Baustellen-Personal des Bauherrn bzw. Auftraggebers

Das Baustellen-Personal des Auftraggebers weist haupts√§chlich F√ľhrungspersonal auf, das ganz √§hnlich strukturiert ist, wie das des Auftragnehmers.

nach oben

 

F√ľhrungskonzepte √ľber Distanz

 

Beim F√ľhrungskonzept ist zu unterscheiden, wo die Projektleitung t√§tig wird. Diese kann ihren Projekt-T√§tigkeiten entweder am Unternehmenssitz nachgehen oder auch auf der Baustelle. Beides hat Vor- und Nachteile und h√§ngt im wesentlichen davon ab, wie sich der Auftraggeber seinerseits organisatorisch aufgestellt hat und wie die Kommunikation zwischen AG und AN geregelt wird. Das Konzept ist nicht als starr zu betrachten, sondern kann den Phasen eines Projektes angepasst werden. Dies sollte jedoch in der Angebotsphase bereits ber√ľcksichtigt werden, da Expatriate-Personal vor Ort wesentlich teurer ist, als am Sitz des Unternehmens und f√ľr andere Aufgaben bzw. Projekte dann nicht zur Verf√ľgung steht.

Prinzipiell lassen sich 2 Modelle unterscheiden.

 

Darstellung F√ľhrungskonzepte im Auslandsbau

Quelle: angelehnt an Kulick (2010)

 

Projekt-Beispiel aus der Praxis

(schl√ľsselfertiger Industriebau inkl. Planung durch AN auf Basis FIDIC Yellow Book)

Auftraggeber

Yanbu / Saudi-Arabien
(vor Ort auf Baustelle)

Consultant des AG

London / Großbritannien

Bauleitung des AG

Yanbu / Saudi-Arabien
(vor Ort auf Baustelle)

Auftragnehmer
(Konsortium)

1) Köln / Deutschland
(Maschinenbauer; Federf√ľhrer Arge bzw. Konsortialf√ľhrer)

2) M√ľnchen / Deutschland
(Rohbauer)

3) Z√ľrich / Schweiz
(Elektronik und Steuerungstechniker)

Projektleitung AN

1) Köln / Deutschland

2) M√ľnchen / Deutschland

3) Z√ľrich / Schweiz

(wegen Nähe zum Consultant des AG und wegen der Nähe zu den Planern)

Bauleitung AN

Yanbu / Saudi-Arabien

(vor Ort auf Baustelle; jeder Konsortialpartner f√ľr sich selbst)

 

 

Darstellung eines Projektbeispieles Auslandsbau

Quelle: Karte Google-Maps, eigene Darstellung

 

Da sich der Sitz des Consultant in London befand und die Unternehmenssitze der Arge-Beteiligten (und damit auch die verschiedenen Planer der Arge) in Deutschland und der Schweiz lagen, wurde keine Projektleitung vor Ort vorgehalten. Die Projektbeteiligten fanden sich jedoch zu regelmäßigen Projekt-Besprechungen vor Ort ein.

Ein weiterer wichtiger Grund, so zu verfahren und nur eine (kleine) Bauleitung vor Ort einzuplanen (nur 2 Expatriates), lag darin begr√ľndet, dass Saudi-Arabien zu dem Zeitpunkt des Projektes ein Land war, welches Gefahren f√ľr Expatriates (Leib und Leben) barg. Expatriates waren bevorzugte Anschlagsziele von Islamisten. Es war aus einer Risikobetrachtung heraus sinnvoll, nur mit wenigen Expatriates vor Ort t√§tig zu sein und in Erscheinung zu treten.

Das Projekt wies weitere typisches Problem des Auslandsbaus auf. Ein gro√üer Teil der einzubauenden Maschinentechnik wurde in Spanien gefertigt. Darunter ein Ger√§teteil mit ca. 260 ton Einzelgewicht, dass nur mittels spezieller Transportmittel zur Baustelle gebracht werden konnte. Weitere Probleme gab es in Verbindung mit dem saudischen Stahlbauer und dem Betonlieferanten, die Schwierigkeiten hatten, die hohen Qualit√§tsanforderungen zu erf√ľllen.

 


 

Literaturquellen

  • Kulick (2010); Auslandsbau

 


Bearbeitungsstand dieser Webseite: März 2018

nach oben