Mitarbeiter in Saudi-Arabien
Anlagenbau in Saudi-Arabien
Staudamm- & Kraftwerksbau in Nepal
Tunnelbau/-sanierung in Indien

Bau-Consulting Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Wirt.-Ing. (FH) Laurenz Görres

Forschung

Was ist Forschung fĂŒr mich?

Die Antwort darauf lÀsst sich wie folgt formulieren:

"Forschen dient nicht einfach der Problemlösung. 
 Forschen bedeutet nicht, nach Antworten zu suchen, und schon gar nicht nach schnellen Antworten, die sich aus oberflĂ€chlichem Denken ergeben. Es heißt vielmehr, zu fragen, ohne Antworten zu erwarten, nur die Fragen zu bewegen, das Staunen in sich zu tragen und ihm zu erlauben, einzusickern, zu sprudeln, zu kochen, zu reifen, 
 Es geht in Wahrheit um das Horchen auf die Gedanken, die dein Fragen weckt ..."

Jon Kabat-Zinn

 

WorĂŒber ich gerne forsche, geht aus jener Fragestellung hervor, mit der ich mich in meiner Dissertation auseinandergesetzt habe und die immer noch hohe AktualitĂ€t und einiges an Forschungsbedarf aufweist:

 

Was sollte bei (Groß-)Projekten zum Vertragsabschluss zwischen den Vertragsparteien geregelt werden, damit die BauausfĂŒhrung in möglichst konfliktarmer Weise erfolgt?


Unter BerĂŒcksichtigung, dass ca. 2/3 aller Probleme und Konflikte in der BauausfĂŒhrungsphase auf Fehler in der Vorvertragsphase zurĂŒckzufĂŒhren sind, liegt das beste Optimierungspotential fĂŒr eine konfliktĂ€rmere Projektabwicklung in der Vorvertragsphase. Zu erforschen ist deshalb, welche effektiven und praktischen "Stellschrauben" den Beteiligten in der Vorvertragsphase zur VerfĂŒgung stehen, um in einem (unvermeidbaren) konflikttrĂ€chtigen Umfeld eine konfliktarme BauausfĂŒhrung sicherzustellen. Als effektive und forschungsrelevante Stellschrauben ergeben sich:

  • die Kalkulation bzw. die transparente, nachvollziehbare und möglichst vollstĂ€ndige Preisermittlung,

  • das Risikomanagement inkl. der BerĂŒcksichtigung von einheitlich definierten Risikokosten,

  • Regelungen zur Kommunikation und Konfliktvermeidung sowie zum Konfliktmanagement in der AusfĂŒhrungsphase,

  • das Vertragswesen.

 

 

Wie lÀsst sich Konfliktmanagement im Bauwesen besser realisieren?


Weiteres Forschungsinteresse gilt der Mediation und anderen Formen der Konfliktbeilegung im Bauwesen, da sich Konflikte in der BauausfĂŒhrung nicht gĂ€nzlich vermeiden lassen. In großen Projekten wird es immer Konflikte verschiedenen Ausmaßes geben. Die Mediation hat sich bis heute im Bauwesen allerdings nicht richtig etablieren können, wofĂŒr die GrĂŒnde zu erforschen sind. Zu hinterfragen wĂ€re diesbezĂŒglich:

  • Ob fĂŒr das Bauwesen besondere Formen der Mediation bzw. des Konfliktmanagements erforderlich und sinnvoll sind?

  • Wie fĂŒr das Bauwesen aufeinander aufbauende Konfliktbeilegungsverfahren zu gestalten und vertraglich zu vereinbaren sind?

  • Wie sich bei bestĂ€ndigen bzw. sich verselbststĂ€ndigenden Baukonflikten eine Konflikteskalation unterbinden lĂ€sst?

  • Wie sich die Mediation im Bauwesen fördern lĂ€sst?

  • Ob es sinnvoll ist, das Thema "Mediation" zu einem Lehrinhalt an Hochschulen zu machen?

 

 

Muss die heutige Kalkulationsweise im Bauwesen,
die auf ein Kalkulationskonzept der 1930-er Jahre zurĂŒckgeht,

an heutige Projektbedingungen besser angepasst werden?


Ein weiteres Interesse meinerseits gilt der Optimierung der heutigen Kalkulationsweise, da ein nicht unerheblicher Teil vieler Baukonflikte auf fehlerhaften oder nicht nachvollziehbaren Kalkulationen beruht. Die heutige Kalkulationsweise hat ihren Ursprung in den 1920-/1930-er Jahren (durch Ribau) und 1940-er Jahren (durch Opitz) und auf der Basis der damaligen BauumstĂ€nde. Da das Bauen heute auf ganz anderen UmstĂ€nden und Bedingungen aber auch Haltungen und Einstellungen der Beteiligten beruht als in den 1920-er und 1940-er Jahren, stellt sich die Frage, inwiefern die heutige Art und Weise der Kalkulation noch dem ursprĂŒnglichen Konzept nach Ribau und Opitz entspricht und ob ein Anpassungs- oder Optimierungsbedarf bei der heutigen Kalkulationsweise besteht!? Siehe hierzu auch folgende Zeitungsartikel:

Es ist auch zu untersuchen, wie sich Risikokosten einheitlicher in der Kalkulation erfassen lassen. Die Risikotragung des AN stellt eine Leistung dar, fĂŒr die er Kosten zu hinterlegen hat und die zu vergĂŒten ist. Dazu Bedarf es einheitlicher Regeln, damit der Wettbewerb zwischen den Bietern nicht verzerrt wird und Angebote vergleichbar bleiben.  

 

 

Was muss man beim Bauen im Ausland in Entwicklungs- und SchwellenlÀndern
bzw. in Krisengebieten berĂŒcksichtigen?


Ein spannendes und eher selten vorzufindendes Forschungsfeld ist das Bauen im Ausland und insbesondere in Entwicklungs- und SchwellenlÀndern.

Im Zuge der globalen Klima- und Umweltprobleme wird es zukĂŒnftig erforderlich sein, in diesen LĂ€ndern - mit westlicher Hilfe - mehr oder bessere Infrastrukturen zu errichten, um beispielweise Lebensgrundlagen zu erhalten und Migrationsströme zu verhindern. Die Frage dabei ist, wie sich grĂ¶ĂŸere Infrastrukturprojekte in solchen LĂ€ndern mit multinationaler UnterstĂŒtzung und Beteiligung umsetzen lassen, in denen die Voraussetzungen dafĂŒr kaum gegeben sind. Dies gilt auch fĂŒr LĂ€nder in einem Zustand nach:

  • Kriegen (wie z. B. Syrien, Irak, Afghanistan, Jemen, Libyen usw.),

  • verheerenden Naturkatastrophen oder schweren Umweltkatastrophen (wie z. B. Haiti nach dem Erdbeben 2010),

da sich die LĂ€nder dann in einem Wiederaufbau befinden. In diesen LĂ€ndern besteht enormer Baubedarf. Es ist nicht nur zu klĂ€ren, wie sich Projekte in diesen LĂ€ndern unter Einsatz öffentlicher Fördergelder wirtschaftlich, ökologisch, sozialvertrĂ€glich umsetzen lassen, sondern auch welche besonderen Qualifikationen das entsandte Personal fĂŒr solch schwierige Projekte aufweisen muss (Bauen in KrisenlĂ€ndern).

 

 

Wie lĂ€sst sich Wohneigentum besser den BedĂŒrfnissen
der Immobilienbesitzer (Lebenswandel) und der Umwelt (Ressourcenschonung)
anpassen bzw. was brauchen wir wirklich zum Wohnen?


Ein weiteres interessantes Forschungsgebiet ist fĂŒr mich das Thema "Tiny Housing" oder die Fragestellung, wie wir zukĂŒnftig unseren privaten Wohnraum - bei knapper werdenden Ressourcen, erheblichen Teuerungen beim Bauen und sich stĂ€ndig verĂ€ndernden (persönlichen) Bedingungen - gestalten wollen oder sollten?! Hier gilt es grundlegende AnsĂ€tze zum Erwerb einer Immobilie und zur Konzeption einer Immobilie zu hinterfragen und neu zu definieren. Unter dem Forschungsgebiet des "Tiny Housing" beschĂ€ftige ich mich mit der "Mobilen Immobilie" - einem Haus-Konzept in Modulbauweise fĂŒr KleinwohnrĂ€ume, das transportabel ist und sich dem Leben der EigentĂŒmer anpasst. Die "Mobile Immobilie" soll zudem ein hoßes Maß an industrieller Fertigung aufweisen und so das Bauen "vor Ort" auf ein Minimum reduzieren. Ein weiteres Kennzeichen der "Mobilen Immobilie" soll ein hoher Grad an Versorgungs-Autarkie und NetzunabhĂ€ngigkeit sein.  

 

 

Weiteres Forschungsinteresse besteht prinzipiell zu folgenden Problemstellungen:

Wie mĂŒssen sich "Baubetrieb" und "Baumanagement" in Praxis und Lehre wandeln,
um dem Aspekt "Klimawandel" zu berĂŒcksichtigen?


Im Zuge des Klimawandels stellt sich die Frage, wie sich dieser auf den Baubetrieb in Zukunft auswirken wird. Um den Klimawandel abzumildern, werden noch sehr große Projekte weltweit zu realisieren sein. Bestehende Infrastrukturen werden einem enormen Wandel unterzogen werden. Neue Infrastrukturkonzepte mĂŒssen umgesetzt werden. Dies wird mit Sanierung und Umbau oder Abbruch, Recycling und Neubau einhergehen. Es werden eventuell auch neue Gebiete erschlossen und an Orten gebaut werden, die heute noch fĂŒr undenkbar gehalten werden (z. B. auf den Meeren oder in Polregionen). Gleichzeitig werden in zukĂŒnftig gefĂ€hrdeten Gebiete bestehende Strukturen rĂŒckzubauen sein oder die bestehenden Strukturen mĂŒssen verstĂ€rkt werden (z. B. vorhandene DĂ€mme, Hochwasserschutzanlagen u. Ä.). Die Frage ist, welche Auswirkungen dies auf den Baubetrieb (und die Lehre!) haben wird (siehe auch FAZ vom 07.06.2016).

 

 

Wie erfolgt der RĂŒckbau von bestehenden Kernkraftwerken bzw.
welche baubetrieblichen Aspekte mĂŒssen dabei berĂŒcksichtigt werden?


Ein interessantes, baubetriebliches Forschungsgebiet ergbit sich zu der "Mammut-Aufgabe" des zĂŒgigen RĂŒckbaus von bestehenden, stillgelegten Kernkraftwerken in Deutschland und weltweit. Deutschland hat mit dem eingeleiteten Atomausstieg eine Vorreiterrolle diesbezĂŒglich ĂŒbernommen und andere LĂ€nder werden diesem Vorbild frĂŒher oder spĂ€ter folgen. Der RĂŒckbau dieser Anlagen bis hin zu einer "grĂŒnen Wiese" ist ein hochkomplexes, baubetrieblich sehr herausforderndes TĂ€tigkeitsfeld. Es erfordert neue Maschinen- und Verfahrenstechniken, besondere Robotik fĂŒr Arbeiten in gefĂ€hrdeten Bereichen, komplexe Bauablaufplanung, Materialkunde, neue Recycling- und Lagerungskonzepte, besondere Logistik und besonderen Arbeitsschutz, Langzeitplanung bei Terminen und Kosten, besonderes Risikomanagement, interdisziplinĂ€re Arbeit und vieles mehr: Alles Aspekte des Baubetriebs!     


Bearbeitungsstand dieser Webseite: Oktober 2018

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